Kategorie: Politik

Schwarzbraune Schmuddel-Kampgane

Auf https://gruener-mist.de/ gibt es eine Umfra­ge, ob man sich die Grü­nen in Regie­rungs­ver­ant­wor­tung wünscht.
Das Ergeb­nis ist eindeutig:

Das war so sicher­lich nicht geplant 🙂


Neben­bei: Ich wer­de die Grü­nen sicher­lich nicht wäh­len — weil ich gar kei­ne Par­tei wäh­le, die meint, mich mit einem Kan­di­da­ten­pho­to beein­flus­sen zu können.Nein, das ist Wäh­ler­be­lei­di­gung, geht gar nicht.

Tempolimit auf der Autobahn und sonstwo

Es ste­hen ja Wah­len an, und wenn dem deut­schen Wäh­ler eins hei­lig ist, dann ist das ein Tem­po­li­mit auf der Autobahn.
Nun war das vor ein paar Jah­ren noch ein­fach: Freie Fahrt für freie Bür­ger! Mit­hin: Ein gene­rel­les Tem­po­li­mit wird es mit Par­tei [A-Z]{3} nicht geben, nie­mals nicht!

Tem­po­ra mutan­tur et nos mutamur in illis.

Die dum­me Frei­heits-Frak­ti­on ist deut­lich klei­ner gewor­den, und so scheint ein gene­rel­les Tem­po­li­mit in Reich­wei­te. Es ist ja auch bekloppt, wir befin­den uns auf einem Niveau mit Afgha­ni­stan, Bhu­tan, Burun­di, Hai­ti, Mau­re­ta­ni­en, Myan­mar, Nepal, Nord­ko­rea, Soma­lia und Vanua­tu. Wenn das der Scheu­er Andy wüßte!
Jeden­falls ist ein gene­rel­les Tem­po­li­mit Wahl­kampf­the­ma — und ich fin­de es bescheu­ert. Denn mir wird nur die Wahl gelas­sen zwischen

  • 120 (Lin­ke)
  • 130 (Grüne/SPD)
  • ∞ (CDU/CSU/FDP/AfD)

Eins fin­de ich so bescheu­ert wie das ande­re (nein, ∞ ist bescheu­er­ter als alles ande­re). Nur: Wenn ich aus Thü­rin­gen kom­me und nach Hau­se fah­re, dann über die A20. Da kann man locker 120 Kilo­me­ter am Stück mit Tem­po­mat 160 fah­ren, das ist ziem­lich ent­spannt. War­um also nicht?

160 als Ober­li­mit fän­de ich gut, weni­ger in viel­leicht 20-er Schrit­ten über­all dort, wo es ange­mes­sen ist. Aber bit­te nicht starr, son­dern dyna­misch, also abhän­gig von Ver­kehrs­dich­te, Fahr­bahn­zu­stand, Wetter.

Auf die Fra­ge “Sind Sie für ein Tem­po­li­mit von 130 auf der Auto­bahn?” hät­te ich kei­ne Antwort.

Tag der Befreiung

Heu­te ist der 8. Mai, der für gewöhn­lich als Tag der Befrei­ung (mit DDR-Ergän­zung: vom Hit­ler­fa­schis­mus) began­gen wird. Ich weiß nicht war­um: 2021 scheint das fast kom­plett ver­ges­sen wor­den zu sein, jeden­falls in den Leit­me­di­en kommt das Datum schein­bar nicht pro­mi­nent vor. COVID? Ich weiß es nicht.

Als gelern­ter Ossi weiß ich: Der 8. Mai 1945 war der Tag, an dem die Rote Armee Deutsch­land vom Hit­ler­fa­schis­mus befrei­te. Nur: Seit ich Götz Aly gele­sen habe ist mir ziem­lich klar: Um vom Faschis­mus befreit wer­den zu kön­nen, hät­te Deutsch­land vom Faschis­mus besetzt sein müs­sen. Jedoch die Wahr­heit ist wohl: Die Deut­schen ins­ge­samt haben vom Faschis­mus pro­fi­tiert, und auch nach­dem der Krieg nach Deutsch­land ein­fiel, haben sich die aller­meis­ten Deutsch wei­ter hin­ter die Faschis­ten gestellt — weil sie Klein­fa­schis­ten waren?

Jeden­falls: Nein, der 8. Mai ist kein Tag der Befrei­ung. Ich kann mei­nen Vor­fah­ren (mei­ne bei­den Opas sind im Osten gefal­len) nicht unter­stel­len, sie sei­en von den Nazis unter­drückt worden.

Oh ja: Die KZs und ihre Häft­lin­ge wur­den befreit. Aber nicht am 8. Mai, und es waren wohl auch kaum Deut­sche, die dort befreit wurden.

Ich weiß nicht, ob ich den 8. Mai als Tag der Nie­der­la­ge bezeich­nen soll­te. Viel­leicht ja, aber ich befürch­te, das wäre miß­ver­ständ­lich. Ich möch­te bit­te nicht mit irgend­wel­chen Rech­ten ver­wech­selt werden.

Also viel­leicht tech­nisch: Der 8. Mai ist der Tag der Kapi­tu­la­ti­on und des Neuanfangs.

Aber nicht der Befrei­ung, so bil­lig kann ich mei­ne Vor­fah­ren nicht davon­kom­men lassen.

Not my Landrat

Das Wurst­blatt Ost­see-Zei­tung hat manch­mal noch Journalismus.


Die Fak­ten­la­ge: Daß die NPD durch Greifs­wald mar­schie­ren wird, das ers­te mal nach 10 Jah­ren, war lan­ge klar. Auch hat lan­ge im Vor­feld ein bun­tes Bünd­nis aus kirch­li­chen Krei­sen, bür­ger­li­cher Mit­te bis zur Lin­ken zu Gegen­ak­tio­nen auf­ruft. Die Unter­stüt­zer­lis­te:

  • Greifs­wald für Alle
  • Fri­days For Future Greifswald
  • Fri­days For Future Mecklenburg-Vorpommern
  • IKu­Wo e.V.
  • Jugend kann bewe­gen e.V.
  • Nord­kir­che (Jaco­bi­gemein­de, Evan­ge­li­sche Jugend Pom­mern, Christuskirchengemeinde)
  • Brin­ke 26 e.V.
  • DGB Vor­pom­mern
  • Defi­ant
  • AKJ
  • Cycle Jerks
  • Bür­ger­schafts­frak­ti­on DIE LINKE und PARTEI MENSCH UMWELT TIERSCHUTZ
  • DIE LINKE. Frak­ti­on im Kreis­tag Vorpommern-Greifswald
  • Kreis­tags­frak­ti­on Grü­ne und Tierschutzpartei
  • Grü­ne Greifswald
  • Alter­na­ti­ve Lis­te für Vor­pom­mern und Greifswald
  • Grü­ne Jugend Greifswald
  • SPD Greifs­wald
  • Jusos Vor­pom­mern-Greifs­wald
  • Jusos Greifs­wald
  • Stadt­ju­gend­ring Greifswald

Ja rich­tig, von der CDU steht da nichts. Die hie­si­ge CDU wird von einem Tram­pel, im Haupt­be­ruf Anstrei­cher­meis­ter, geführt: Axel Hoch­schild. Des­sen Fett­näpf­chen­sprün­ge, Geschmack­lo­sig­kei­ten, Dreis­tig­kei­ten sind legen­där — aber hier gehts ja um sei­nen Par­tei­chef Micha­el Sack.

Also der Land­rat hält es nicht für nötig, sich auf einer Demo gegen Nazis zu zei­gen, und sei es nur für ein Pres­se­fo­to. Wich­ti­ger ist ihm ein Foto auf Insta­gram mit Fisch­bröt­chen, weni­ge Kilo­me­ter von dem bun­ten Wider­stand entfernt.

Schaut euch mal das Foto an: Er ver­steht nichts von Fisch­bröt­chen. Das ist kein Hering, son­dern Lachs. Bei Wie-05 gekauft, wo man doch weiß: Die ein­zi­gen wah­ren Fisch­bröt­chen gibts gegen­über bei Gur­ke, dort auch ger­ne mit Lachs (der warm geräucherte).

Nun ver­steht er vom Netz schein­bar genau­so­we­nig wie von Fisch­bröt­chen oder gar Poli­tik: Selbst­ver­ständ­lich haben die poli­ti­schen Geg­ner die Vor­la­ge gern auf­ge­nom­men, was denn sonst? Umso­mehr, als sie in der Sache recht haben: “Es gibt kei­ne neu­tra­le Hal­tung zu Faschismus.”

Er sei an die­sem Tag immer mit Kol­le­gen der Kreis­ver­wal­tung in Kon­takt gewe­sen, um die Lage rund um die ins­ge­samt 16 ange­mel­de­ten Ver­an­stal­tun­gen im Blick zu behalten.

Ja sicher. Erzähl uns mehr Mär­chen, Micha­el! Und die Krö­nung, auf soviel Frech­heit muß man erst­mal kommen:

Wäre ich selbst bei den Pro­tes­ten gewe­sen, hät­te ich nicht mehr hel­fen können.

Herr, bit­te, wirf Hirn vom Himmel!!!

Dan­ke an Herrn König übrigens.

Zurück zu Sack: Es ist erst­mal gar nicht wich­tig, bei wel­cher Par­tei er ist, jedoch: Er ist CDU-Vor­sit­zen­der in M‑V und als sol­cher wird er wohl auch Kan­di­dat für den Minis­ter­prä­si­den­ten-Pos­ten im Sep­tem­ber wer­den. Ein Mann ohne jeg­li­ches Gespür für poli­ti­sche Kul­tur, ohne demo­kra­ti­sche Wer­te (ein Demo­krat, egal wie links oder rechts, steht nicht für Ins­ta-Fotos am Hafen, wäh­rend neben­an 1000 Men­schen gegen Nazis ste­hen), ein Mann ohne Rück­grat. Halt ein Klein­stadt-Bür­ger­meis­ter, der er war und den Job viel­leicht sogar gut gemacht hat.

Die Schlap­pen Lan­des­po­li­tik sind für ihn aller­dings eini­ge Num­mern zu groß, schon die Land­rats-Schlap­pen sind es.

Not my Land­rat, not yours.

 

#Greifs­wald #HGW

Die Cloud, collateral damage

Ich brow­se gera­de durch einen Issue bei #Git­lab und lese dies:

As you know, Git­Lab was migra­ted to goog­le cloud and this ser­vice is not acces­si­ble from Iran. I did not know about the sta­te of this issue until you men­ti­on me.

Egal, ob nun Goog­le, Apple, Micro­soft, Ora­cle… — die­ses “der Algo­rith­mus ent­schei­det” ist ganz ganz gro­ßer Mist. Davor soll sich nie­mand ver­ste­cken dürfen.

Навальный

geht es also, SPON schreibt es, schlecht.

Sein Mit­ar­bei­ter (wie­vie­le Mit­ar­bei­ter habt ihr denn eigent­lich so?) berichtet:

Trotz der Schmer­zen habe er ins­ge­samt nur zwei Tablet­ten bekommen.

Wo doch jeder weiß, daß man bei Schmer­zen min­des­tens vier Tablet­ten braucht!

Der lei­ten­de Mit­ar­bei­ter des Nawalny-Teams

Oh, es gibt sogar einen lei­ten­den Mit­ar­bei­ter! Ist wohl ein Chief depu­ty in char­ge oder so?

Abseits aller Häme: Der Mann ist frei­wil­lig nach Ruß­land zurück­ge­kehrt, ihm war natür­lich völ­lig klar, daß er sofort weg­ge­schnappt wer­den wird. Mir scheint das gan­ze ein Spiel zu sein: Wer bekommt die grö­ße­re Pres­se im Wes­ten? Nur daß Nawal­ny sich wohl ver­rech­net hat: Putin wie den Rus­sen ist Nawal­ny ziem­lich egal, der hat nur im Wes­ten einen Markt­wert. Der ist ganz bewußt nach Ruß­land zurück­ge­kehrt, um Poker zu spielen.

Mal sehen, wie es wei­ter geht.

Ach und natür­lich: Ja, das ist eine poli­ti­sche Num­mer, nur daß Nawal­ny deut­lich zu unse­ri­ös ist, um als “Kreml-Kri­ti­ker” (was für ein über­heb­li­cher Begriff!) durch­zu­ge­hen. Ein schmie­ri­ger Unter­neh­mer mit natio­na­lis­ti­schen Phantasien.
Ich fin­de ja nicht, daß man schmie­ri­ge Unter­neh­mer mit natio­na­lis­ti­schen Phan­ta­sien ins Lager ste­cken soll, solan­ge das kei­ne Straf­tat­be­stän­de sind. Ich weiß auch, daß es in Ruß­land ganz sicher kei­ne unab­hän­gi­ge Rechts­spre­chung gibt. Da bin ich mir mit Nawal­ny ganz einig.
Aber die­se Selig­spre­chung Nawal­nys hier bei uns geht mir gehö­rig auf den Zeiger.
Kreml-Kri­ti­ker, Coro­na-Kri­ti­ker, Impf­kri­ti­ker — ich bin Kritiker-Kritiker.

Laura Spinney, 1918 — die Welt im Fieber

So, nach eini­gen Wochen habe ich die­ses Buch nun end­lich #aus­ge­le­sen. Ich kann gar nicht sagen, war­um es so lan­ge gedau­ert hat, am Stil liegt es sicher­lich nicht: Das Buch liest sich gut. Und doch habe ich abends im Bett sel­ten län­ger als fünf Minu­ten lesen kön­nen bis zur Müdigkeit.

Egal: Wie der Titel sagt, geht es um die “spa­ni­sche Grip­pe”, die etwa von 1918 bis 1920 über die gan­ze Welt kam — eine Pan­de­mie eben, wir wis­sen, was das ist.
Das Buch kam 2017 her­aus, also nach SARS 2002 und Schwei­ne­grip­pe 2009, aber vor COVID-19.
Es ist ein popu­lär­wis­sen­schaft­li­ches Buch im bes­ten Sin­ne, wie es schein­bar die Anglo­ame­ri­ka­ner bes­ser als die Deut­schen kön­nen, bei uns ist “popu­lär­wis­sen­schaft­lich” ja immer noch leicht anrü­chig. Die Autorin schreibt flüs­sig und fak­ten­reich — was mir beson­ders gefällt: es ist alles durch umfang­rei­che Lite­ra­tur­ver­wei­se belegt, wobei auf­fällt, daß das Gros die­ser Bele­ge nicht aus dem Inter­net kommt, son­dern aus Arti­keln in Fach­zeit­schrif­ten. Das gefällt mir, bedeu­tet es doch, daß die Autorin sich inten­siv mit der Mate­rie beschäf­tigt hat (was man übri­gens auch aus den Dank­sa­gun­gen her­aus­le­sen kann)
Kurz: Die Autorin rei­tet nicht die Coro­na-Wel­le (wie auch, Erschei­nungs­jahr 2107), und ist gera­de des­we­gen lesens­wert und aktuell.

Das Buch fällt in zwei Tei­le: Im ers­ten wird die Aus­brei­tung der Grip­pe unter­sucht, auch, woher sie viel­leicht stammt (das ist nicht ganz ein­deu­tig, jeden­falls aber nicht aus Spa­ni­en) Und der Zusam­men­hang zwi­schen der Grip­pe und dem ers­ten Welt­krieg. Frag­los hat­te die Grip­pe mas­si­ve Aus­wir­kun­gen auf den Krieg, ja, man kann sicher­lich sagen: ohne die Grip­pe wäre der Krieg anders ver­lau­fen. Nach der Lek­tü­re wird man den ers­ten Welt­krieg viel­leicht ein wenig bes­ser verstehen.
Schon in die­sem ers­ten Teil wird reich­lich kühn und unver­mit­telt zwi­schen den Jahr­hun­der­ten und den Kon­ti­nen­ten hin- und her­ge­sprun­gen. Das reicht von der vor­christ­li­chen Anti­ke bis heu­te, von Chi­na und Ame­ri­ka bis Afri­ka und dem Rest der Welt. Das ist teil­wei­se ermü­dend, und manch­mal schei­nen mir die Quer­ver­bin­dun­gen eher mit Macht gezo­gen wor­den zu sein

Das gilt dann mehr noch für den zwei­ten Teil, der sich eher mit den Fol­gen der spa­ni­schen Grip­pe für die Wis­sen­schaft und Gesell­schaft bis heu­te beschäf­tigt. Da geht es viel um Viro­lo­gie, Gesund­heits­po­li­tik. Im Nach­hin­ein sage ich für mich: Den Teil hät­te man deut­lich kür­zen kön­nen, als Leser kann man ger­ne schräg lesen.

Ins­ge­samt: Ein augen­öff­nen­des Buch. Denn es ist durch­aus nicht so, daß unse­re jet­zi­ge Situa­ti­on aus dem Nichts gekom­men wäre. Ein Bei­spiel: World invests too litt­le and is under­pre­pa­red for dise­a­se out­breaks — und der­glei­chen gibt es vie­le ande­re. Man wuß­te schon damals, daß die Grip­pe eine Virus­er­kran­kung ist, auch wenn das Virus selbst erst weit spä­ter gefun­den wur­de. Man wuß­te, daß Mas­ken hel­fen, Abstand hal­ten, Schu­len schlie­ßen… Und auch die Cov­idio­ten gab es schon damals. Das ist alles nicht neu, erschre­ckend ist, wie wenig wir gelernt haben.

Lese­emp­feh­lung? Ja!


Eine Lese­pro­be gibts hier, inter­es­san­ter­wei­se bei der Bun­des­zen­tra­le für poli­ti­sche Bildung.

Ist wirklich Trump das Problem?

Wir haben ja nun alle viel Vide­os gese­hen, Bil­der, Berich­te gele­sen vom Sturm auf die Bas­til­le, äh, das Kapi­tol. Ganz zwei­fel­los war das eine Mischung aus har­ten Rechts­ter­ro­ris­ten, Irren, Ver­schwö­rungs­phan­tas­ten — wie bei uns eben, nur um eini­ge Zacken ter­ro­ris­ti­scher, irrer.
Und Trump hat das natür­lich provoziert.

Nur: die sind doch nicht alle vor 4 Jah­ren bei Trumps Wahl von den Bäu­men gefal­len. Auf den Bil­dern reicht das Alters­spek­trum der Trumpis­ti von sehr jung bis reich­lich alt. Das Pro­blem, das die USA haben, ist kein Trump-Pro­blem, der mag als Kata­ly­sa­tor wir­ken, aber der dum­me Natio­na­lis­mus (habt ihr die Vide­os gehört? USA! USA! USA! — kom­plett meschug­ge) ist älter, liegt viel tie­fer. Mei­ne Theo­rie: Die Ver­lus­te im Viet­nam-Krieg, und daß man ihn ver­lo­ren hat, haben die USA im Kern zu einer im Stolz ver­let­zen Nati­on gemacht.

Oba­ma war für uns ein kul­ti­vier­ter, bere­chen­ba­rer Prä­si­dent. Für vie­le ein­fa­che Ame­ri­ka­ner dürf­te er zum Estab­lish­ment gehört haben, zu dem auch sei­ne Vor­gän­ger schon gehört hat­ten und Hil­la­ry sowie­so. Und natür­lich gehört Oba­ma zum Estab­lish­ment — wie auch Trump. Nur daß der es wohl geschafft hat, den Frust der vie­len “klei­ne Leu­te” für sein eige­nes Ding (ich kau­fe mir ein­fach Ame­ri­ka) einzusetzen.

Die Trumpis­ten waren schon vor Trump da, und sie wer­den nach Trumps Abgang bleiben.

COVID und die Kliniken

Gera­de war ich mit der Gat­tin noch mal 20 Minu­ten drau­ßen spa­zie­ren und reden. Und habe gelernt:

Seit dem Früh­jahr beka­men Kli­ni­ken Aus­gleichs­zah­lun­gen. Und zwar dafür, daß sie Bet­ten frei­hiel­ten für COVID-Pati­en­ten. Dazu muß man wis­sen, daß Kli­ni­ken Fall­pau­scha­len nach DRG bekom­men. Je län­ger ein Pati­ent in der Kli­nik bleibt, des­to unren­ta­bler wird er. Sprich: Ein frisch ope­rier­ter Pati­ent, der eine Woche ein Bett belegt, ist lukra­ti­ver als ein COVID-Pati­ent, der unter Umstän­den über Wochen ein Bett blo­ckiert. Des­halb die Aus­gleichs­zah­lun­gen, um den Kli­ni­ken die Angst zu neh­men, daß sie, indem sie vor­sorg­lich Bet­ten für COVID-Pati­en­ten frei­hal­ten, Minus machen.

Die­se Aus­gleichs­zah­lun­gen sind zum — fest­hal­ten!!! — 1. 10. ein­ge­stellt wor­den. Weil ja im Früh­jahr, als sie beschlos­sen wur­den, nie­mand außer ein paar Fach­leu­ten vor einer zwei­ten Wel­le im Herbst gewarnt hat.
Vor genau die­sem Hin­ter­grund ist Spahns Ansa­ge zu ver­ste­hen, daß alle Gehäl­ter gezahlt wer­den kön­nen.
Und Kli­ni­ken fah­ren ihre frei­en Bet­ten zurück.

Markt­wirt­schaft tötet.

Die Russen in der Arktis

Eine beein­dru­cken­de Serie von Vide­os über eine Fahrt von Tik­si zur Mili­tär­sta­ti­on Temp auf der Kotel­ny-Insel.

Beein­dru­ckend in meh­rer­lei Hin­sicht: Da ist die schein­bar unend­li­che, auf jeden Fall lebens­feind­li­che Eis­wüs­te. Die Män­ner, die zusam­men sich durch­kämp­fen, über vie­le Wochen vor­wärts durch Schnee, Eis und grau­sa­me Käl­te. Die Tech­nik. DAS sind SUVs! 😉
Aber beein­dru­ckend ist auch der völ­lig unre­flek­tier­te Ein­satz mili­tä­ri­scher Macht zur Durch­set­zung der rus­si­schen Inter­es­sen. Denn natür­lich geht es um eins: Die glo­ba­le Erwär­mung führt dazu, daß die Nord­ost-Pas­sa­ge immer län­ger befahr­bar bleibt, jeden­falls im Som­mer. Sicher­lich brau­chen die Schif­fe einen eis­tüch­ti­gen Rumpf, aber es geht. Und wenn es dann wie­der käl­ter wird im Herbst und das Eis kommt: Es wird nicht mehr so viel/so mäch­ti­ges Eis sein wie frü­her, da kann man mit Eis­bre­chern gan­zen Schiffs­kon­vois die rus­si­sche Nord­küs­te pas­sier­bar machen. Ver­ges­sen wir nicht: Ruß­land ist das ein­zi­ge Land mit einer gan­zen Flot­te von Atom­eis­bre­chern. Und die Ree­de­rei­en, die Waren aus Asi­en zum Absatz­markt Euro­pa schaf­fen, wer­den genau durch­rech­nen, wie­viel Zeit und damit Sprit (und Lohn­kos­ten) sowie Maut für den Suez­ka­nal sie spa­ren, wenn sie nicht die Rou­te durch den Suez­ka­nal und das Mit­tel­meer neh­men müs­sen. Und die Rus­sen wis­sen das natür­lich und wer­den den Ree­dern mit spit­zem Blei­stift ein Ange­bot machen, dem sie kaum wer­den wider­ste­hen können.
Dafür lohnt es sich, im Gebiet schon mal Prä­senz zu zei­gen, lei­der spie­len sie die mili­tä­risch-natio­na­lis­ti­sche Karte.
Daß die Vide­os von RT stam­men, paßt natür­lich ins Bild.

Teil 1: https://www.youtube.com/watch?v=SbeJbesBChs
Teil 2: https://www.youtube.com/watch?v=CXeSI5W9M3A

 

#addic­ted­to­the­arc­tic