Kategorie: Politik

Tempo 130, nochmal

In Bran­den­burg wur­de unter­such­t¹, wel­che Aus­wir­kun­gen es hat, wenn man einen „frei­en“ Stre­cken­ab­schnitt auf 130 begrenzt. Nicht wür­de, hät­te, könn­te, son­dern sie haben die Aus­wir­kun­gen gemes­sen.
Die Stu­die kommt zu einem bis­lang wenig beach­te­ten Ergeb­nis:

Eine Begren­zung für Pkws nähert die gefah­re­nen Geschwin­dig­kei­ten der ver­schie­de­nen Fahr­zeug­ar­ten an und har­mo­ni­siert somit den Ver­kehrs­fluss auf Auto­bah­nen. Gleich­zei­tig kann mit einer Geschwin­dig­keits­be­gren­zung die Kapazität je Fahr­strei­fen um 100 Kfz/h erhöht wer­den.

Heißt: Mit einer Geschwin­dig­keits­be­gren­zung ist die Auf­nah­me­fä­hig­keit der Auto­bahn gestie­gen!


¹ 2007, wer einen guten Grund hat anzu­neh­men, daß das heu­te anders sei, bit­te in den Kom­men­ta­ren las­sen.

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130?

Da wird die letz­ten Tage ja viel geschrie­ben, und alle sind sich einig: Eine Begren­zung der Höchst­ge­schwin­dig­keit auf der Auto­bahn hilft der Umwelt und ver­min­dert Unfäl­le.
Nun ja, nicht alle sind sich einig, es gibt ein paar, die um Wäh­ler­stim­men fürch­ten, allen vor­an der Ver­kehrs­mi­nis­ter.
Das macht aber nichts: Die Begren­zung wird kom­men, so sicher wie die Gurt­pflicht gekom­men ist oder das Rauch­ver­bot in Gast­stät­ten.
Gera­de das Rauch­ver­bot ist ein schö­nes Bei­spiel: Ich war damals sel­ber Rau­cher und rauch­te selbst­ver­ständ­lich nach dem Essen am Tisch. Nach­dem jeder auf­ge­ges­sen hat­te und ich blies auch nie­man­dem den Rauch ins Gesicht. Es gab durch­aus Gast­stät­ten mit einer guten Ent­lüf­tung, in denen man auch als Nicht­rau­cher sich wohl fühl­te.
Das Rauch­ver­bot kam, und der Unter­gang der deut­schen Knei­pen­kul­tur blieb aus.

Und genau so wird eine all­ge­mei­ne Geschwin­dig­keits­be­gren­zung auf deut­schen Auto­bah­nen kom­men. Das ist ist nur eine Fra­ge der Zeit, das ist unver­meid­lich. Und wenn Scheu­er und die ande­ren alten Män­ner das nicht begrei­fen wol­len — umso bes­ser, abwäh­len so bald als mög­lich!


Ceter­um cen­seo:
Ich fah­re ger­ne schnell, set­ze schon mal bei 180 den Tem­po­ma­ten. Auf der A20 gibt es län­ge­re Abschnit­te, wo das in der Tat geht. Per­sön­lich wür­de ich mir wün­schen: Gene­rell 130, auf „qua­li­fi­zier­ten“ Stre­cken aber auch dar­über, 150 oder gar 180.
Das wird aller­dings kaum so pas­sie­ren, dann eben doch lie­ber 130 als Ober­gren­ze.

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Schulempfehlung, Gymnasium

Nun wird unser jüngs­ter tat­säch­lich immer älter, und es steht eine Lebens­ent­schei­dung an: Auf wel­che Schul­form soll er nach der 6. Klas­se (die er gera­de besucht) wech­seln?
Tat­säch­lich haben er und auch wir Eltern nie gezwei­felt: Er möch­te und soll dann auch ein Abitur machen (sei­ne Leh­rer sehen das genau­so)

Aber das ist völ­lig bekloppt: Hier in M-V gibts sowohl G8 (12 Jah­re bis zum Abitur) als auch G9 (13 Jah­re) Die staat­li­chen Gym­na­si­en haben alle nur G8, sei­ne jet­zi­ge Schu­le bie­tet sowohl G8 als auch G9. Das Abitur aber ist ein Zen­tral­ab­itur, die Anfor­de­run­gen sind also nicht nur lan­des­weit ein­heit­lich, son­dern auch das G8-Abitur ist exakt das­sel­be, das bei G9 tes­tiert wird. Also haben die G8-er exakt den­sel­ben Stoff in der­sel­ben Gesamt­stun­den­an­zahl wie die G9-er. Das erreicht man dadurch, daß die G9-er die 10. Klas­se dop­pelt machen; fak­tisch bleibt also jeder, der das Abitur in 13 Jah­ren macht, in der 10. Klas­se sit­zen. Kommt ihr noch mit?
WTF??? Wel­che Irren den­ken sich sowas aus???
Und dann noch der Irr­sinn, daß gefühlt jeder Elek­tro­meis­ter ein Abitur haben müß­te. In der DDR gab es eine Abi-Quo­te von 10% (plus 5% Fach­ar­bei­ter mit Abitur) Und es war gut, denn es bedeu­te­te, daß wirk­lich nur Leis­tungs­fä­hi­ge zum Abitur kamen, und des­halb war es auch kein Pro­blem, das Abi in 12 Jah­ren zu machen. Und wer ein Abi hat­te, hat dann auch in aller Regel stu­diert. Und das war gut. Heu­te haben wir Fach- und Hoch­schu­len, deren För­de­rung an der Stu­den­ten­an­zahl hängt — kein Wun­der, daß die Bil­dungs­an­stal­ten immer mehr mit­tel­mä­ßi­ge Stu­den­ten haben.

Also: Was wir brau­chen, sind viel weni­ger Abitu­ri­en­ten. Ein Abitur soll­te erlangt wer­den, um an einer Uni zu stu­die­ren. Unis soll­ten Wis­sen­schaft­ler aus­bil­den. Dann ist das Abitur in 12 Jah­ren auch kein Pro­blem mehr. Wenn die omi­nö­se Indus­trie Wis­sen­schaft­ler braucht, ist das ja OK. Wenn sie hoch­spe­zia­li­sier­te Fach­idio­ten braucht: bit­te sel­ber aus­bil­den.
Und: Nehmt end­lich den Län­dern die Bil­dungs­ho­heit weg, ver­dammt!

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Renft, die DDR und der Anarchismus

Höre gera­de wie­der mal Renft. Es gibt vie­le wich­ti­ge Lie­der von ihnen, die­ses hier ist mir eins der wich­tigs­ten:

Nach der Schlacht.

1974, da war ich 12, die­se Musik war nicht mei­ne, und den Text hät­te ich gar nicht ver­stan­den. Doch weni­ge Jah­re spä­ter hat­te ich ein Ché-Pos­ter (DAS Pos­ter natür­lich!) an der Wand zu hän­gen, und recht schnell kam ich von sei­ner nach Afri­ka expor­tier­ten Revo­lu­ti­on zu Trotz­kis Theo­rie der per­ma­nen­ten Revo­lu­ti­on, zu Müh­sam, wei­ter rück­wärts zu Kro­pot­kin, aber auch Nietz­sche, Stir­ner, Kier­ke­gaard und Shel­ley — und zurück also zu Renft 🙂

1974 also. Ulb­richt war 1971 abge­setzt wor­den und 1973 gestor­ben. Hon­ecker kam an die Macht, und die neue Losung war: Der Sozia­lis­mus hat ununmkehr­bar gesiegt, jetzt geht es um den Auf­bau des Kom­mu­nis­mus, der klas­sen­lo­sen Gesell­schaft, in der es kei­ne sozia­len Schran­ken mehr gibt. google://einheit+von+wirtschafts-+und+sozialpolitik. Das Woh­nungs­bau­pro­gramm war wohl die wich­tigs­te Maß­nah­me dabei, mit Hon­ecker ent­stan­den die gan­zen Plat­ten­sied­lun­gen über die gan­ze DDR.
Also: Alles palet­ti, von nun an gehts uns gut.
Und da kommt doch Renft daher:

Nach der Schlacht war’n viel Kame­ra­den tot
Und man stellt sich auf das verblieb’ne Bein
Und man meint, das müs­se der Sieg schon sein

Hört ihr? Trotz­ki singt in sei­nem mexi­ka­ni­schen Grab! Denn es ist eben noch nicht der Sieg, auch wenn Hon­ecker ihn ver­kün­det hat.

Ver­gos­sen viel Blut doch gewon­nen die Macht
Und die Schlacht um die Macht war die letz­te Schlacht
Nun wird der Mensch fein mensch­lich sein
Kame­rad ist nicht schad’
Um das Bein muss­te sein Kame­rad

Macht war ein zen­tra­ler Bestand­teil der DDR-Innen­pro­pa­gan­da. Macht für die Arbei­ter­klas­se in Gestalt ihrer Vor­hut: der SED. Natür­lich in Gestalt des Polit­bü­ro. Und da wo dort nun die Macht gewon­nen ist, fragt die­se Com­bo aus Leip­zig, ob der Preis dafür gerecht­fer­tigt war, mit Beto­nung auf dafür.

Einer zeigt aus dem Fens­ter, da spa­zie­ren sie lang
Die neu­en Men­schen, der neue Mensch
Der sieht aus wie war
Außen und unter’m Haar
Wie er war

Die Men­schen haben sich aller­dings unterm Haar, also im Kopf, kaum geän­dert. Die Revo­lu­ti­on muß wei­ter­ge­hen oder gar erst anfan­gen, näm­lich bei den Men­schen.
Wie gesagt, die SED-Füh­rung hat­te gera­de die Voll­endung der Revo­lu­ti­on ver­kün­det.
Daß Renft mit Auf­tritts­ver­bot belegt wur­de, kann nicht ver­wun­dern.

Und was haben wir heu­te? Schla­ger­bar­den ohne jeden Tief­gang (hat­ten wir damals auch, auch in der Zone, die gan­ze Zeit über)

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Sippenhaft bei Waldorf-Schule

Selbst­ver­ständ­lich gehört ein AfD-Poli­ti­ker geschnit­ten; mit Het­zern dis­ku­tiert man nicht, schon gar nicht “holt man sie ab” — wohin das führt, kann man in Sach­sen betrau­ern.
Aber man ver­haf­tet nicht ihre Kin­der. Was die­se Wal­dorf-Schu­le betreibt, ist üble Selek­ti­on.

http://www.spiegel.de/lebenundlernen/schule/berliner-waldorfschule-lehnt-kind-von-afd-politiker-ab-a-1244005.html

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Friedrich Merz

Nun ist der Bier­de­ckel­fi­nanz­ex­per­te ja doch vom Par­tei­volk geschnit­ten wor­den — wahr­schein­lich ist Frau Kramp-Kar­ren­bau­er dann doch das gerin­ge­re Übel (solan­ge sie ihren Katho­li­zis­mus zu Hau­se läßt jeden­falls)

Jedoch sieht es nicht danach aus, als wür­de Merz sich nun wie­der aus­schließ­lich sei­ner Mit­tel­stands-Kar­rie­re wid­men wol­len — nein, er will doch Poli­tik machen.

Ger­ne. Doch ist er wei­ter­hin bei Black­rock.

Da fragt man sich doch, wie geblitz­dingst­bumst das Fuß­volk bei der CDU sein muß, daß sie ihn noch nicht wegen par­tei­schä­din­gen­dem Ver­hal­ten aus der CDU geke­gelt haben.
Oder ist das etwa gar kein Grund?
Wie pein­lich dann.

Bei der SPD (Schrö­der) war man wenigs­tens anstän­dig genug, zwi­schen Poli­tik und Wirt­schaft eine Blin­zel­se­kun­de Pau­se ein­zu­schie­ben; Metz ficht das nicht an.

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Finanztransaktionssteuer

Wiki­pe­dia weiß, wie lan­ge schon dar­über gere­det wird.
Attac weiß, was dar­aus gewor­den ist.

Der wich­ti­ge Satz:

Denn mit einer Akti­en­steu­er nicht erfasst wären genau jene Finanz­in­stru­men­te, die der Spe­ku­la­ti­on die­nen und die Wirt­schaft desta­bi­li­sie­ren — dar­un­ter Deri­va­te und alle außer­börs­li­chen Trans­ak­tio­nen.

Weiß man in der SPD, wel­che Par­tei gera­de den Finanz­mi­nis­ter stellt?

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Es ist bessüglich die Wahlen

(Man kann ja den groß­ar­ti­gen Ger­hard Kurt Egil­hard Schä­fer nicht oft genug hören)

Wir hat­ten also Land­tags­wah­len, und das Ergeb­nis ent­sprach etwa den Vor­her­sa­gen: > 20% für die AfD. Gro­ße Auf­re­gung allent­hal­ben, aber eigent­lich nur, weil die CDU weni­ger Stim­men als die AfD bekam.
Die NPD hat die Hälf­te ihrer Wäh­ler­schaft ver­lo­ren, das fin­de ich gut, und ich glau­be durch­aus nicht, daß die AfD das Geschäft der NPD kon­gru­ent über­neh­men wird.
Doch zwei­fel­los gibt es zwi­schen NPD und AfD ein gro­ßes Schar­nier: die völ­ki­sche Ideo­lo­gie, auch Ras­sis­mus genannt. Und ganz schlimm auf mei­ner Geburts­in­sel Use­dom. Die Zah­len stim­men sicher­lich.
Und alle so: War­um nur, war­um?

30 Jah­re zurück: Ein land­wirt­schaft­lich gepräg­tes Land (ich rede vom heu­ti­gen Vor­pom­mern), dazu Fisch­fang und ein wenig Indus­trie (KKW Lub­min, NEG Greifs­wald, Pee­ne­werft Wol­gast). Und heu­te? Die Land­wirt­schaft ist noch da, kommt aber mit bedeu­tend weni­ger Arbeits­kräf­ten aus. Fischer gibts nur noch eine Hand­voll, die Indus­trie ist ganz weg­ge­bro­chen. Ein paar Licht­bli­cke in der Plas­ma­for­schung, Bio­tech. Die Gesund­heits­in­dus­trie (wie ich die­ses ver­rä­te­ri­sche Wort has­se!) wur­de stark aus­ge­baut — mit Bil­lig-Arbeits­kräf­ten. Hohe Arbeits­lo­sig­keit und ein all­ge­mein nied­ri­ges Lohn­ni­veau.

25 Jah­re lang (und die nächs­ten 25 Jah­re sicher­lich auch) hat das Gebiet hier kei­nen Poli­ti­ker inter­es­siert. Außer loka­len Kar­rie­ris­ten, außer der NPD und nun Rat­ten­fän­gern der AfD. Auch die Lin­ke hats kom­plett ver­kackt.
Jetzt kommt die Quit­tung.

Und noch was: Es wird immer über das neo­na­zi­las­ti­ge Ost­deutsch­land gere­det — und viel öst­li­cher als $HIER gehts ja kaum. Bit­te mal anse­hen, wer dann nach der Wen­de laten­tes Neo­na­zi­tum im Osten kana­li­siert, pro­fes­sio­na­li­siert, in Orga­ni­sa­ti­ons­struk­tu­ren gebracht hat.

Nee, ich schä­me mich nicht, hier zu woh­nen — viel­mehr noch: Ich woh­ne gern hier.

 

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