Kategorie: Politik

Der Bund der Steuerzahler

erzählt mir von der hie­si­gen (M‑V) Steu­er­ver­schwen­dung: Eine Edel­kan­ti­ne im Land­tag, 7500 Euro frag­li­che Film­för­de­rung… Skan­da­le über Skan­däl­chen.

Der Kon­zern müs­se zusa­gen, so ver­langt es Ber­lin, “min­des­tens sechs neue Uni­ver­sal-Schif­fe auf den MV Werf­ten” zu bau­en. Schif­fe der soge­nann­ten “Uni­ver­sal­klas­se” neh­men bis zu 2000 Pas­sa­gie­re an Bord.
Nach dem Schei­tern des Geschäfts­mo­dells “Kreuz­fahrt­schiff” ver­lan­gen Bun­des­fi­nanz- und Bun­des­wirt­schafts­mi­nis­te­ri­um also den Bau von noch mehr Kreuz­fahrt­schif­fen.

Und wei­ter:

Dar­aus darf man schlie­ßen, dass die deut­sche Staats­bank KfW, deren Toch­ter Ipex das Geschäft von Gen­ting an der deut­schen Ost­see­küs­te von vorn­her­ein mit rund drei Mil­li­ar­den Euro finan­ziert hat­te und die nun die 193 Mil­lio­nen Not­kre­dit nach­ge­schos­sen hat,

Ein paar Mil­li­ar­den hier, ein paar Hun­dert Mil­li­ön­chen dort, unter Freun­den gönnt man sich das. Oder wenn einem der Arsch auf Grund­eis geht, weil man läs­ti­ge Fra­gen befürch­tet, viel­leicht gar die Fra­ge, wer denn das alles wohl bezahlt?
Ver­mu­tungs­wei­se nicht die ver­ant­wort­li­chen Per­so­nen aus ihrem Ver­mö­gen, und da ist so ein Bund der Steu­er­zah­ler, der Pea­nuts zum Auf­re­gen unters Volk bringt, doch ganz prak­tisch!

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Sind die Faxgeräte abgesoffen?

Der Deut­sche Wet­ter­dienst hat für mein Städt­chen unter https://www.dwd.de/DE/wetter/warnungen/warnWetter_node.html?ort=Greifswald eine Wet­ter­war­nung raus­ge­ge­ben:

 

Es ist wirk­lich eini­ger­ma­ßen win­dig, ich bin heu­te vor­mit­tag zum Arzt in die Stadt gera­delt — da habe ich eine Frau über­holt, die ihr Fahr­rad lie­ber schob. Der Sei­ten­wind war so hef­tig, daß man droh­te umge­pus­tet zu wer­den.

Nina, Kat­warn aber schwei­gen noch mehr als beim Test vor ein paar Wochen. Da kamen die War­nun­gen wenigs­tens zu spät, aber heu­te kommt ein­fach nichts mehr.

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Noch ein Wort zur Wiedervereinigung

Schät­zungs­wei­se wird heu­te an allen öffent­li­chen Mei­nungs­ecken über 30 Jah­re Wie­der­ver­ei­ni­gung sal­bungs­voll schwa­dro­niert wer­den. Genau weiß ich es nicht: Zei­tung gibts aus näm­li­chem Grun­de nicht, Im Radio läuft NDR Kul­tur, TV sehen wir seit Jah­ren nicht mehr. Aber die Nach­rich­ten-Web­sei­ten rei­chen schon, um eine Vor­stel­lung zu bekom­men.

Aber das ist größ­ten­teils Quatsch, was ich da lese. Zunächst: Wie­derver­ei­ni­gung: Wie­der impli­ziert, daß da etwas ver­ei­nigt wur­de, was schon mal ver­ei­nigt war. In der nach dem WK II ent­stan­de­ne, also heu­te gül­ti­gen, geo­gra­phi­schen Form hat es vor BRD und DDR kein ver­ei­nig­tes Deutsch­land gege­ben, nie­mals.
Da ist nichts wie­der­ver­ei­nigt wor­den vor 30 Jah­ren.
Man mag das Krü­mel­ka­cke­rei nen­nen, mir ist die dahin­ter­lie­gen­de Gefühls­du­se­lei unan­ge­nehm.

Und über­haupt: Ver­ei­ni­gung? Unfug. Es gab den Bei­tritt der DDR zum Grund­ge­setz der BRD. Bei­tritt, nicht Ver­ei­ni­gung. Der Gel­tungs­be­reich des Grund­ge­set­zes dehn­te sich auf das DDR-Gebiet aus, gleich­zei­tig lös­te sich die DDR auf. Ein rein tech­ni­scher Vor­gang, den die Men­schen gera­de im Osten woll­ten. Nee, so ganz rich­tig ist das nicht. Es ging weni­ger um den Gel­tungs­be­reich des Grund­ge­set­zes als viel­mehr um den Gel­tungs­be­reich der D‑Mark. Seis drum. die Men­schen woll­ten das, sehr vie­le haben ein bes­se­res Leben als vor­her bekom­men, man­che blie­ben auf der Stre­cke, aber über die­se redet man nicht so ger­ne.

Allein wenn ich Fotos der Innen­stadt mei­nes Städt­chens aus den 80-ern sehe und mit dem heu­ti­gen Aus­se­hen ver­glei­che: Hat sich gelohnt, der Bei­tritt, und es gibt noch viel mehr sol­cher Vor­tei­le, nicht zuletzt die Umwelt hat pro­fi­tiert,

Aber (Wieder-)Vereinigung? Sehe ich nicht wirk­lich. Allein wenn man sieht, woher größ­ten­teils die Immo­bi­li­en­ei­gen­tü­mer im Osten kom­men. Nicht aus dem Osten.

Und noch was: Frei­heit, Rei­se­frei­heit, Mei­nungs­frei­heit, Pres­se­frei­heit…: Das sind Errun­gen­schaf­ten des Herbs­tes 89, nicht des Eini­gungs­ver­tra­ges, das hat mit dem heu­ti­gen Datum abso­lut gar nichts zu tun.

 

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Kein Brathering mehr? Keine Fischbrötchen am Hafen?

Die Ost­see­fi­scher sol­len ihr Kut­ter abwra­cken.

Ich weiß nicht. Sind wirk­lich die klei­nen Kut­ter das Pro­blem, oder nicht doch die gro­ßen Traw­ler? Aber gibt es sol­che über­haupt in der Ost­see?
Ich bin Fisch­fan. Ein schö­nes dickes Zan­der­fi­let ist ein Got­tes­ge­schenk. Der fet­te Herbst­he­ring…
Aber wenn es dann nur noch Fisch aus Indus­trie­mast gibt im Namen der Umwelt — nee, das möch­te ich mir gar nicht vor­stel­len müs­sen.

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Gut beschützt

durch #cyber!

Nein, das Bild ist nicht das Stre­cken­netz der Metro von Shang­hai.
Son­dern unse­re staat­li­che Cyber­si­cher­heits­ar­chi­tek­tur.

 

Das hat die Stif­tung Neue Ver­ant­wor­tung mal visua­li­siert — und ich habs von hier: https://www.stiftung-nv.de/de/publikation/akteure-und-zustaendigkeiten-der-deutschen-cybersicherheitspolitik.

Und wer mal genau hin­sieht, wird fin­den, daß die Innen­mi­nis­ter­kon­fe­renz nichts zu sagen hat, sie kann auf einen Cyber-Angriff nicht mal  mit einem Cyber­Cy­ber-Angriff ant­wor­ten — da ist noch Luft, lie­be Innen­mi­nis­ter!

 

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Public Code, public Repository

Das fin­de ich erst­mal eine wirk­lich gute Initia­ti­ve: ein öffent­li­ches Repo­si­to­ry für von uns bezahl­ten Code. Doch dann lese ich das Paper, das zunächst breit die Vor­zü­ge von OSS als sol­cher mit den ewi­gen blau­äu­gi­gen Argu­men­ten beschreibt.

Das Paper resü­miert:

Für den infor­mel­len Aus­tausch und eine gemein­sa­me und akti­ve Arbeit an OSS-Pro­jek­ten der öffentlichen Ver­wal­tung ist eine eige­ne Platt­form not­wen­dig.

Äh, kennt jemand auch nur einen ansatz­wei­sen zag­haf­ten Ver­such eines “OSS-Pro­jek­tes der öffentlichen Ver­wal­tung”? “Unser Intra­net-Web­ser­ver läuft auf Linux 16.04 LTS!!!” gilt nicht…

Es braucht eine rechts­si­che­re Struk­tur, über die Quell­codes hin­ter­legt und abge­ru­fen wer­den können.

Du lie­be Güte! Nehmt git, signiert eure Com­mits, nehmt meh­re­re Remo­tes (Git­hub, Gilt­lab, was eige­nes ger­ne dann auch), stellt Euren Code unter eine sau­be­re Lizenz und gut, fangt an!

Aus­ge­hend vom Steck­brief der Lösung kann man zum Pro­gramm­code gelan­gen, der auf einer Code-Platt­form nach dem Vor­bild von „Git­hub“ abge­legt ist.

Oh ja, am ach­ten Tag (vor­mit­tags) schuf Gott Git­hub mal eben so neben­bei, das kann ja nicht so schwie­rig sein?

Auf der Code-Platt­form fin­det die kon­kre­te kol­la­bo­ra­ti­ve Arbeit der Com­mu­ni­ty an den hin­ter­leg­ten Quell­codes und Code- Doku­men­ta­tio­nen statt.

Äh bit­te was? Git­hub für die kon­kre­te kol­la­bo­ra­ti­ve Arbeit der Com­mu­ni­ty — schon klar 💓💕💖

Der tech­ni­sche Auf­bau der Platt­form ist kein Groß­pro­jekt.

Doch­doch. Ganz genau das ist es, und ich bezweif­le, daß wir je mehr sehen wer­den als die­ses Paper, dazu dann noch ein paar Rei­se­kos­ten­ab­rech­nun­gen für Mee­tings, ein paar Euros, die ein paar der betei­lig­ten Fir­men abgrei­fen dür­fen.

Und wenn ich sehe, wer da alles mit­spre­chen möch­te: A camel is a hor­se desi­gned by com­mit­tee.

PS. Ich habe noch ein ceter­um cen­seo: Geset­zes­tex­te gehö­ren in ihrer gesam­ten Ent­ste­hungs­ge­schich­te, von den ers­ten Skiz­zen bis zum ver­ab­schie­de­ten Text, öffent­lich ver­sio­niert. Das wäre mir wich­ti­ger als eine öffent­li­che OSS-Soft­ware, die es nur im Wol­ken­ku­c­kus­heim gibt.

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Nawalny, wir im Westen, Putin

Allent­hal­ben lesen wir, Putin bzw. der Kreml hät­ten ver­sucht Nawal­ny zu meu­cheln. Nawal­ny wen? Die rus­si­sche Wiki­pe­dia schreibt (von Chro­me über­setzt):

Nach Anga­ben des Leva­da-Zen­trums ver­trau­ten Nawal­ny im Janu­ar 2020 wie 2019 etwa 3% der Rus­sen [472] . Im April ver­zeich­ne­te Romir einen spür­ba­ren Rück­gang des Ver­trau­ens der Rus­sen in Nawal­ny im Ver­gleich zum Vor­quar­tal : Er rück­te vom 10. auf den 19. Platz vor [473] . Laut dem Leva­da Cen­ter wur­de Naval­ny im April unter Berück­sich­ti­gung des sta­tis­ti­schen Feh­lers von nicht mehr als 2,4% von den Umfra­ge­teil­neh­mern einer Rei­he von Zeit­ge­nos­sen, die die Rus­sen mit ihrem Bei­spiel und ihrer akti­ven bür­ger­li­chen Posi­ti­on inspi­rie­ren, mit 4% der Stim­men auf den zwei­ten Platz gesetzt. Nach den Stim­men der Befrag­ten in der Alters­grup­pe der 40- bis 54-Jäh­ri­gen beleg­te Nawal­ny mit 6% der Stim­men den ers­ten Platz, die Anzahl der Wäh­ler wur­de nicht ange­ge­ben [474].… Eine gleich­zei­ti­ge offe­ne Umfra­ge des Leva­da-Zen­trums zum Ver­trau­en in Poli­ti­ker ergab, dass 4% der Befrag­ten Naval­ny ver­trau­en [475] .

War­um soll­te eine Regie­rung einen der­art unwich­ti­gen Mann um den Preis der inter­na­tio­na­len Iso­la­ti­on umbrin­gen?

Wir sit­zen hier bequem in unse­ren sozia­len Bla­sen und urtei­len gelas­sen über die Volks­füh­rer öst­lich und west­lich, Putin und Trump. Und igno­rie­ren dabei, daß sie gewählt wur­den. Ja, mit Tricks, aber unse­re Later­nen­pfäh­le sind vor Wah­len genau­so mit Lügen gepflas­tert, da sind wir nicht ehren­wer­ter.

Oh, mög­li­cher­wei­se haben Kreml/Putin tat­säch­lich beschlos­sen, Nawal­ny umzu­brin­gen.
Sehr logisch scheint mir das nicht zu sein, es sei denn, sie wären strunz­dumm. Was unse­rem Über­le­gen­heits­ge­fühl immer­hin ent­ge­gen­kä­me.

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Das wird nix mehr mit den Piraten

Patrick Brey­er nimmt sich (zurecht) ein EU-Paper vor, ich hab’ das mal hier[1] zu rei­nen Doku­men­ta­ti­ons­zwe­cken abge­legt.
Schon mit dem ers­ten Wort belas­tet Brey­er sei­ne Glaub­wür­dig­keit: “Zen­sur­su­la”. Natür­lich weiß ich, woher das Wort kommt, und ich weiß auch, daß sie schon vor der Idee von DNS-Sper­ren ande­re irre Ideen hat­te (Kin­der zum Anstif­ten von Straf­ta­ten miß­brau­chen (Alko­hol­kauf durch Min­der­jäh­ri­ge), da war sie noch Fami­li­en­mi­nis­te­rin). Zen­sur­su­la war ein pas­sen­des Wort­spiel, ein Wort, das sich auf Pla­ka­ten und Twit­ter (140 cha­rac­ters ought to be enough for anybody’s brain) res­sour­cen­scho­nend ver­wen­den ließ. Die Welt hat sich wei­ter­ge­dreht seit­dem.
Brey­er als Euro­pa­ab­ge­ord­ne­ter soll­te 2020 die­ses Niveau hin­ter sich haben. No jokes with names!
Wei­ter­hin: Die EU-Kom­mis­si­on ist mit den nach­ge­ord­ne­ten Behör­den ein rie­si­ger Büro­kra­ten-Appa­rat, ich weiß das von Egon. Natür­lich ist Uschi let­zend­lich für alles ver­ant­wort­lich, was da wäh­rend der Arbeits­zeit die Schlüp­fer ihrer Sub­al­ter­nen befeuch­tet — aber eben an einem sehr fer­nen Ende.

Das Paper selbst beschreibt die Mög­lich­kei­ten, trotz einer End-to-End-Ver­schlüs­se­lung an die unver­schlüs­sel­ten Daten einer Kom­mu­ni­ka­ti­on zu kom­men, und bleibt natür­lich dort ste­hen, wo man ste­hen blei­ben muß: Auf den End­ge­rä­ten irgend­was instal­lie­ren (gewöhn­lich nennt man es “Staats­tro­ja­ner”), was vor dem Sen­den bzw. nach dem Emp­fang die unver­schlüs­sel­ten Daten an die aut­ho­ri­ties wei­ter­lei­tet. Ger­ne auch nur die Has­h­es von Dateien[2].
Es wird noch eini­ger Voo­doo betrie­ben, aber der ändert nichts am Prin­zip: Ohne Ver­wan­zen der End­ge­rä­te funk­tio­nierts nicht. Das steht auch so (ver­brämt) zu lesen.
Was noch auf­fällt: Man geht immer von einer Cli­ent-Ser­ver-Archi­tek­tur aus, also zen­tra­len Ser­vern, die ver­mit­teln. Twit­ter, Whats­app usw. Eine P2P-Archi­tek­tur ist gar nicht auf dem Radar.

Ins­ge­samt lese ich eine tech­ni­sche Bank­rott­erklä­rung, ergänzt um den Voo­doo: “Aber viel­leicht, wenn wir ganz doll dran glau­ben!” Das ist aber auf dem Niveau “Viren­scan­ner und Zone­Alarm hel­fen” und damit jen­seits einer fak­ten­ba­sier­ten Dis­kus­si­ons­ba­sis.

Ich hät­te mir von Brey­er gewünscht, daß er das Paper fach­lich aus­ein­an­der­nimmt. Statt­des­sen ist nur Pole­mik her­aus­ge­kom­men. Scha­de, das krie­ge ich bei den andern Par­tei­en genau­so­sch­lecht, je nach poli­ti­scher Prä­fe­renz.

PS: Es geht um Kin­des­miß­brauch, wie immer wenn man nichts ande­res hat. Geschenkt.


[1] Scha­de, daß der Aus­druck (genau­er: Der Scan des Aus­dru­ckes) befreit wur­de, nicht das ori­gi­na­le Doku­ment. So ist das PDF lei­der nicht durch­such­bar.

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[2] Daß man bei einem Bild/Video nur ein Pixel ver­än­dern muß, die Datei­grö­ße ändern… um einen völ­lig neu­en Hash zu erzeu­gen, wird nicht the­ma­ti­siert, soweit ich gele­sen habe

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