Opensource ist unwichtig

Mit den Jah­ren reagie­re ich immer all­er­gi­scher auf die völ­lig unre­flek­tier­ten Jubel­ge­sän­ge pro OSS.

OSS hat einen ein­zi­gen Vor­teil: Umsonst in der Anschaf­fung. Jeder wei­te­re behaup­te­te Vor­teil, ins­be­son­de­re daß OSS siche­rer sei weil ja jeder rein­se­hen kann, scheint mir rea­li­täts­fern: Denn es sind IMMER die ande­ren, die ja rein­schau­en kön­nen. Wor­aus folgt: Nie­mand schaut rein. Oder? Wer von euch hat denn den Quell­code zum Linux Ker­nel, zu Open­Of­fice, Fire­fox, Gno­me… gele­sen? Und lesen allein ist ja kom­plett sinn­los, man muß auch noch kom­pe­tent sein. Nein, wir haben nicht ein­mal den Quell­code für /bin/true gele­sen. Oder?
“Die Com­mu­ni­ty” ist auch eine schö­ne Vor­stel­lung — allein: die Ent­wick­lungs­kos­ten für die wirk­lich gro­ßen OSS-Pro­jek­te zah­len Fir­men, indem sie Pro­gram­mie­rer bereit­stel­len. Und die arbei­ten wohl eher nach Vor­ga­ben ihrer Arbeit­ge­ber als nach unse­ren Issue­tra­cker-Tickets. (Mir fal­len auch vie­le Aus­nah­men ein, aber die ändern nichts am Prinzip)

Die Zei­ten, in denen ein Stu­dent einen Ter­mi­nal Emu­la­tor schreibt und hin­ten ver­se­hent­lich ein Ker­nel rau­spur­zelt, der dann die Welt erobert — die sind vorbei.

Nein, es geht um etwas ande­res: offe­ne Pro­to­kol­le und offe­ne Datei­for­ma­te. Im Inter­net, gibt es da noch pro­prie­tä­re Pro­to­kol­le? Mir fällt nichts ein. Außer­halb sicher­lich, aber auch da fällt mir gera­de nichts ein.
Aber die offe­nen Datei­for­ma­te: Da ent­schei­det sich m.E. die Zukunft. Wir sehen ja den Kampf: Micro­soft hat­te sei­ne völ­lig geschlos­se­nen Office-For­ma­te und muß­te dann (wegen der Regie­rungs­auf­trä­ge) neue For­ma­te erfin­den: Office Open XML, das so kom­plex ist, daß nie­mand, auch MS sel­ber nicht, es voll­stän­dig imple­men­tiert. Ange­rei­chert dann um eine zu allen ande­ren inkom­pa­ti­ble Makro­spra­che, so daß auch heu­te noch .docx auto­ma­tisch als “Word-Doku­ment” ver­stan­den wird — was falsch ist. Micro­soft Word kann docx schrei­ben, Apple Pages kann es, Libre­of­fice kann es, Papy­rus Office kann es… Ja, die Doku­men­te sehen viel­leicht über­all leicht anders aus, aber wer defi­niert denn, was “rich­tig” und was “falsch” ist?

Ich bin davon über­zeugt, daß unse­re digi­ta­le Frei­heit zuerst an offe­nen For­ma­ten — und danach viel­leicht an quell­of­fe­nen Ver­ar­bei­tungs­pro­gram­men — hängt.

Und der Titel die­ses Posts ist natür­lich mit Absicht provokant 😉

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Навальный

geht es also, SPON schreibt es, schlecht.

Sein Mit­ar­bei­ter (wie­vie­le Mit­ar­bei­ter habt ihr denn eigent­lich so?) berichtet:

Trotz der Schmer­zen habe er ins­ge­samt nur zwei Tablet­ten bekommen.

Wo doch jeder weiß, daß man bei Schmer­zen min­des­tens vier Tablet­ten braucht!

Der lei­ten­de Mit­ar­bei­ter des Nawalny-Teams

Oh, es gibt sogar einen lei­ten­den Mit­ar­bei­ter! Ist wohl ein Chief depu­ty in char­ge oder so?

Abseits aller Häme: Der Mann ist frei­wil­lig nach Ruß­land zurück­ge­kehrt, ihm war natür­lich völ­lig klar, daß er sofort weg­ge­schnappt wer­den wird. Mir scheint das gan­ze ein Spiel zu sein: Wer bekommt die grö­ße­re Pres­se im Wes­ten? Nur daß Nawal­ny sich wohl ver­rech­net hat: Putin wie den Rus­sen ist Nawal­ny ziem­lich egal, der hat nur im Wes­ten einen Markt­wert. Der ist ganz bewußt nach Ruß­land zurück­ge­kehrt, um Poker zu spielen.

Mal sehen, wie es wei­ter geht.

Ach und natür­lich: Ja, das ist eine poli­ti­sche Num­mer, nur daß Nawal­ny deut­lich zu unse­ri­ös ist, um als “Kreml-Kri­ti­ker” (was für ein über­heb­li­cher Begriff!) durch­zu­ge­hen. Ein schmie­ri­ger Unter­neh­mer mit natio­na­lis­ti­schen Phantasien.
Ich fin­de ja nicht, daß man schmie­ri­ge Unter­neh­mer mit natio­na­lis­ti­schen Phan­ta­sien ins Lager ste­cken soll, solan­ge das kei­ne Straf­tat­be­stän­de sind. Ich weiß auch, daß es in Ruß­land ganz sicher kei­ne unab­hän­gi­ge Rechts­spre­chung gibt. Da bin ich mir mit Nawal­ny ganz einig.
Aber die­se Selig­spre­chung Nawal­nys hier bei uns geht mir gehö­rig auf den Zeiger.
Kreml-Kri­ti­ker, Coro­na-Kri­ti­ker, Impf­kri­ti­ker — ich bin Kritiker-Kritiker.

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Umdeutung von Symbolen

Ges­tern woll­te ich der Toch­ter mal wie­der was von vor dem Krieg erzäh­len: Frü­her wur­de auf Dis­ket­ten gespei­chert, Dis­ket­ten sahen so aus, das nimmt man heu­te manch­mal noch als Speichern-Symbol.
Und wie? Nun, indem ich ihr eine moder­ne App mit Spei­chern-Sym­bol zeige:

Na, Toch­ter, was glaubst Du, wor­auf man zum Spei­chern tip­pen muß?”

Sie zeigt ziel­si­cher auf die Dis­ket­te, ich stau­ne Bau­klöt­zer. “Wor­an hast Du das erkannt???” “Na das ist doch eine Spei­cher­kar­te!” ant­wor­tet sie verwirrt…

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Firmware-Update für Logitech

Die klei­ne Toch­ter hat an ihrem Odroid eine draht­lo­se Kom­bi aus Tas­ta­tur und Maus zu hän­gen, für die gibts schein­bar Security-Updates:

root@gerhard:~# fwupdmgr get-upgrades
? BJTD4R has no available firmware updates
Unknown Product
?
??Unifying Receiver:
  ?   Device ID:           71fcf526569a6cf966914382b98edf144b59cf48
  ?   Summary:             A miniaturised USB wireless receiver
  ?   Current version:     RQR24.01_B0023
  ?   Bootloader Version:  BOT03.01_B0008
  ?   Vendor:              USB:0x046D
  ?   Install Duration:    30 seconds
  ?   GUIDs:               cc4cbfa9-bf9d-540b-b92b-172ce31013c1
  ?                        fcf55bf5-767b-51ce-9c17-f6f538c4ee9f ? HIDRAW\VEN_046D&DEV_C52B&REV_00
  ?                        279ed287-3607-549e-bacc-f873bb9838c4 ? HIDRAW\VEN_046D&DEV_C52B
  ?   Device Flags:        ? Updatable
  ?                        ? Supported on remote server
  ?
  ??Unifying Receiver (RQR24) Device Update:
  ?     New version:       RQR24.06_B0030
  ?     Remote ID:         lvfs
  ?     Summary:           Firmware for the Logitech Unifying receiver
  ?     License:           Proprietary
  ?     Size:              86.4?kB
  ?     Vendor:            Logitech
  ?     Duration:          30 seconds
  ?     Flags:             is-upgrade
  ?     Description:       This release addresses an encrypted keystroke injection issue known as Bastille security issue #13. The vulnerability is complex to replicate and would require a hacker to be physically close to a target.
  ?
  ?     A few of Logitech's devices used to send select buttons in an unencrypted way, and in an effort to protect against this vulnerability, Logitech removed the feature. Affected hardware is:
  ?
  ?      ? Wireless Mouse M335
  ?      ? Zone Touch Mouse T400
  ?      ? Wireless Mouse M545
  ?      ? Wireless Mouse M560
  ?      ? Touch Mouse M600
  ?      ? Touch Mouse T620
  ?      ? Wireless Rechargeable Touchpad T650
  ?
  ?     Although Logitech does not recommend it, these features may be re-activated by keeping/downgrading the receiver to an older firmware.
  ?
  ??Unifying Receiver (RQR24) Device Update:
        New version:       RQR24.05_B0029
        Remote ID:         lvfs
        Summary:           Firmware for the Logitech Unifying receiver
        License:           Proprietary
        Size:              86.4?kB
        Vendor:            Logitech
        Duration:          30 seconds
        Flags:             is-upgrade
        Description:       This release addresses an unencrypted keystroke injection issue known as Bastille security issue #11. The vulnerability is complex to replicate and would require a hacker to be physically close to a target.

root@gerhard:~#

Was mache ich nun?

Angst vor Angrif­fen habe ich wirk­lich nicht.

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fail2ban umgehen

Gera­de sehe ich mal durch die Logs des sshd, da fällt auf:

Mar  2 09:59:46 big sshd[7021]: Invalid user admin from 141.98.80.69 port 45833
Mar  2 09:59:46 big sshd[7024]: Invalid user admin from 141.98.80.70 port 35859
Mar  2 09:59:54 big sshd[7037]: Invalid user user from 141.98.80.71 port 46773
Mar  2 09:59:55 big sshd[7468]: Invalid user admin from 141.98.80.82 port 43473
Mar  2 09:59:56 big sshd[7573]: Invalid user operator from 141.98.80.85 port 50042
Mar  2 09:59:57 big sshd[7599]: Invalid user test from 141.98.80.69 port 33773
Mar  2 10:00:06 big sshd[7684]: Invalid user guest from 141.98.80.71 port 42305
Mar  2 10:00:07 big sshd[8321]: Invalid user ubnt from 141.98.80.82 port 38095
Mar  2 10:00:07 big sshd[8997]: Invalid user guest from 141.98.80.83 port 35895
Mar  2 10:00:07 big sshd[9004]: Invalid user support from 141.98.80.85 port 52444

Das heißt, der Angrei­fer hat meh­re­re IPs unter sei­ner Kon­trol­le und kann die wech­seln. Sinn­voll ist das nur, um ein IDS zu umgehen.

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Gigabit @home, wofür nochmal?

Ich habe (Voda­fone Kabel) Giga­bit zu Hau­se, natür­lich nur im Down­load, momen­tan gera­de (was macht der Rest der Fami­lie? Inter­net kopieren?)

[ ID] Interval           Transfer     Bitrate         Retr
[  5]   0.00-10.00  sec   447 MBytes   375 Mbits/sec  162             sender
[  5]   0.00-10.00  sec   444 MBytes   372 Mbits/sec                  receiver

Und Upload:

[ ID] Interval           Transfer     Bitrate         Retr
[  5]   0.00-10.00  sec  64.8 MBytes  54.4 Mbits/sec   57             sender
[  5]   0.00-10.00  sec  63.0 MBytes  52.9 Mbits/sec                  receiver

Im Down­load habe ich aber auch schon Wer­te im die 980 gesehen.
Und was nut­zen wir davon?

Das ist der Traf­fic eines Jah­res, mit durch­ge­hend Home­of­fice, zwei Kin­dern im Home­schoo­ling, jedes mit eige­nem Rechner.
Gut, wir zocken kaum, das biß­chen Mine­craft des Soh­nes fällt nicht auf.

Ich ver­ste­he nicht, wes­we­gen alle Welt Giga­bit haben will.

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Ausgelesen: Christoph Hein, Trutz

Eine deut­sche und eine sowje­ti­sche Fami­li­en­ge­schich­te, begin­nend im Ber­lin der spä­ten 1920-er Jah­re, endend in Wit­ten­ber­ge in den 2000-ern, also ganz frag­los eine Jahrhundertgeschichte.

Das Buch hat drei Tei­le, man könn­te sie nen­nen: Deutsch­land, Sowjet­uni­on, DDR/Deutschland

Teil eins: Deutschland

Die Geschich­te: Ein Bau­ern­jun­ge, Rai­ner Trutz, aus Vor­pom­mern sieht für sich auf dem hei­mat­li­chen Hof kei­ne Lebens­chan­ce (der älte­re Bru­der wird den Hof erben) und zieht nach Ber­lin, um dort Schrift­stel­ler zu werden.
Nach vie­len Ent­beh­run­gen kann er einen klei­nen, leicht schlüpf­ri­gen Roman ver­öf­fent­li­chen, doch zum Leben reicht das nicht, zumal der Ver­le­ger ihn über den Tisch zieht.
Ein zwei­ter Roman, es ist wohl kurz vor der Macht­über­nah­me der Faschis­ten, wird anfangs wohl­wol­lend in der Pro­vinz­pres­se bespro­chen, jedoch in der rech­ten Pres­se ver­ris­sen (der Roman ist völ­lig unpo­li­tisch und behan­delt das Leben in einer deut­schen Pro­vinz­stadt) In der Fol­ge gibt es kei­ne wei­te­ren Rezen­sio­nen mehr (außer den poli­tisch moti­vier­ten Verrissen)
Die Welt­büh­ne mel­det sich bei Trutz, ob er eine Rezen­si­on schrei­ben kön­ne zu einem Rei­se­buch deut­scher lin­ker Schrift­stel­ler durch die Sowjet­uni­on. Trutz nimmt sofort an, schließ­lich kann die Welt­büh­ne als intel­lek­tu­el­les Maga­zin ihm den Weg in die ernst­zu­neh­men­de Lite­ra­ten­sze­ne eröff­nen. Aller­dings erweist sich die Sache als schwie­rig: das zu rezen­sie­ren­de Buch ist vol­ler blau­äu­gi­ger Jubel­ge­schich­ten auf Sta­lin, Trutz sieht es sofort. Was soll er machen? Er hat zuge­sagt, kann aber nicht posi­tiv rezen­sie­ren, weil das Buch eben Pro­pa­gan­da ist. Ableh­nen kann er auch nicht, die Ver­lo­ckung, als Welt­büh­ne-Autor zu gel­ten, ist zu groß.
So schreibt er dann eine posi­ti­ve Rezen­si­on, die aber amü­siert durch­bli­cken läßt, daß er die Autoren für naiv hält.
In der Zwi­schen­zeit haben ihn die Nazis auf ihrer Lis­te, es wird bei ihm ein­ge­bro­chen, die Poli­zei steht erkenn­bar auf Sei­ten der Nazis. Rai­ner und sei­ne Frau Gud­run, eine enga­gier­te Gewerk­schaf­te­rin, begin­nen um ihr Leben zu fürch­ten. Sie müs­sen raus aus Deutsch­land, doch nir­gend­wo bekom­men sie ein Visum. Schließ­lich bekom­men sie doch Visa für die Sowjet­uni­on, das stand so nicht auf ihrem Plan, ist aber die ein­zi­ge Mög­lich­keit, aus Deutsch­land rauszukommen.
Sie wan­dern nach Mos­kau aus, es ist 1933.

Teil zwei: Sowjetunion

Rai­ner hofft, als Redak­teur oder ähn­li­ches unter­zu­kom­men, aber das wird nichts, es gibt ein­fach zu vie­le aus­ge­wan­der­te Schrei­ber. Und so muß er in einer Bri­ga­de arbei­ten, die die Mos­kau­er Metro mit­baut. Das ist har­te Kno­chen­ar­beit, schlecht bezahlt, die Aus­rüs­tung ist erbärm­lich — aber er schafft das. Gud­run hat Arbeit in einer Scho­ko­la­den­fa­brik, ihr gefällt es dort, sie ist geachtet.
Schnell ler­nen bei­de, daß es unge­schrie­be­ne Regeln gibt, zuerst: Sta­lin ist ganz unzwei­fel­haft ein hei­li­ges Genie, das darf unter kei­nen Umstän­den ange­zwei­felt wer­den. Eine eige­ne Mei­nung wozu auch immer behält man im engs­ten Freundeskreis.
Sie bekom­men ein Kind, einen Sohn, und nen­nen ihn Maykl. Sie sind jetzt inte­grier­te Mos­kau­er, haben sich an die sowje­ti­schen Ver­hält­nis­se angepaßt.
Irgend­wann ler­nen sie einen Pro­fes­sor der Lomo­no­s­sow-Uni­ver­si­tät ken­nen, Wal­de­mar Gejm, der sich mit Mne­mo­tech­ni­ken beschäf­tigt. Er sel­ber hat einen Sohn im Alter von Maykl, Rem, bei­de Kin­der, sie sind etwa drei Jah­re alt, befreun­den sich. Gejm sam­melt einen Kreis um sich, an dem er sei­ne Mne­mo­nik aus­tes­tet. Hier kamen mir dann beim Lesen ers­te böse Vor­ah­nun­gen auf: Zu dem Kreis gehö­ren zwei Offi­zie­re von Tuchat­schew­ski und der Thea­ter­re­gis­seur Mey­er­hold. Man ahnt, daß das nicht gut aus­ge­hen wird — und es geht nicht gut aus.
Mey­er­hold und die bei­den Offi­zie­re ver­schwin­den. Es ist die Zeit der Mos­kau­er Pro­zes­se, des gro­ßen Ter­rors. Rai­ner wird die Rezen­si­on in der Welt­büh­ne zum Ver­häng­nis, er wird ver­haf­tet und zu Zwangs­ar­beit in Worku­ta ver­ur­teilt. Gud­run und Maykl kön­nen ihn noch ganz kurz sehen bei Bestei­gen der Trans­port­wag­gons — dann ist er weg. Die Rei­se nach Worku­ta ist beschwer­lich, die let­zen paar Hun­dert Kilo­me­ter müs­sen die Häft­lin­ge, ent­kräf­tet und unter­ernährt, zu Fuß zurück­le­gen. Gera­de ange­kom­men im Lager, wird Rai­ner sofort sei­ner paar Hab­se­lig­kei­ten beraubt und dann erschlagen.
Gud­run erfährt von alle­dem nichts, wird etwas spä­ter eben­falls depor­tiert, nach Tschel­ja­binsk. Sie stirbt dort an Entkräftung.
In der Zwi­schen­zeit wur­de Wal­de­mar Gejm eben­falls ver­haf­tet, er kommt eben­falls nach Tschel­ja­binsk, zunächst als Leh­rer. Die Jungs Maykl und Rem sehen sich wie­der und sind über­glück­lich, ein­an­der zu haben. Doch nach Gud­runs Tod ist Maykl Voll­wai­se, die Gejms neh­men ihn auf und stel­len einen Antrag auf Adop­ti­on, von dem sie nie wie­der etwas hören. Aber der Fleisch­wolf dreht wei­ter: Gejm ver­liert sei­ne Leh­rer­stel­le und muß in eine Holz­fäl­ler­bri­ga­de. Er stirbt dabei.
Mitt­ler­wei­le ist der Krieg vor­bei, alle hof­fen, daß sie nun wie­der in ihre Hei­mat zurück dür­fen — doch nein, die Situa­ti­on ändert sich nicht. Maykl wird nach Mos­kau in ein Wai­sen­heim gesteckt. Dort ist er dank der Mne­mo­tech­ni­ken von Wal­de­mar Gejm ein aus­ge­zeich­ne­ter Schü­ler. Es wird ihm ange­bo­ten, als Deut­scher in die DDR aus­zu­rei­sen, was er nach eini­ger Über­le­gung annimmt. Zu sei­nem Freund Rem hat er kei­nen Kon­takt mehr.

Teil drei: DDR/Deutschland

In Leip­zig dann macht Maykl ein aus­ge­zeich­ne­tes Abitur und beginnt Geschich­te zu stu­die­ren. Er ist ein sehr guter Stu­dent, aller­dings nicht Mit­glied der FDJ. Ange­spro­chen dar­auf, erklärt er war­um nicht: Der Kom­mu­nis­mus hat sei­nen Vater und sei­ne Mut­ter umge­bracht, er kann folg­lich kein Mit­glied einer kom­mu­nis­ti­schen Orga­ni­sa­ti­on wer­den. Damit ist sei­ne Kar­rie­re als His­to­ri­ker erle­digt. Er been­det sein Stu­di­um und stu­diert wei­ter Archiv­wis­sen­schaft, bekommt eine Stel­le, eine schö­ne Wohnung.
Eines Tages fin­det er in Archi­ven ein­deu­ti­ge Bele­ge, daß ein Mit­glied des Zen­tral­ko­mi­tees der SED frü­her Mit­glied bei NSDAP und SS war. Da Maykl das nicht unter den Tisch kehrt, wird er ins Goe­the­ar­chiv nach Wei­mar straf­ver­setzt — der Goe­the ist so lan­ge tot, da läßt sich nichts poli­tisch gefähr­li­ches finden.
Dann kommt die Wen­de, und ein neu­er Chef in Wei­mar: Maykl fin­det her­aus, daß genau die­ser sei­ne Zwangs­ver­set­zung nach Wei­mar betrie­ben hat­te. Jetzt, nach der Wen­de, will Maykl reha­bi­li­tiert wer­den und ver­klagt die­sen Chef. Doch es gibt kei­ne Akten mehr, die sind alle ver­nich­tet, Maykl kann nichts bewei­sen und ver­liert den Prozeß.
Dar­auf­hin wird er nach Wit­ten­ber­ge straf­ver­setzt, in ein Provinzarchiv.
Dort wird er eines Tages von sei­nem Jugend­freund Rem besucht, nach 50 Jah­ren. Die bei­den haben sich natür­lich viel zu erzäh­len, Rem erzählt, daß er dem Leben sei­nes Vaters hin­ter­her­forscht in rus­si­schen Archi­ven. Man beschließt, daß die Maykl und sei­ne Frau Rem und sei­ne Frau in Mos­kau besu­chen werden.
Das Ende: Rem wird in sei­ner Mos­kau­er Woh­nung erschla­gen, die Mör­der neh­men die Com­pu­ter­fest­plat­te und alle schrift­li­chen Unter­la­gen mit.

Alle sind tot Rem, mei­ne Eltern, Wal­de­mar Gejm, Lili­ja, alle, nur ich nicht.

Damit endet das Buch.

Har­ter Stoff.
für mich ist der zwei­te Teil der beein­dru­ckends­te. Die sta­lin­sche Mord­ma­schi­ne, vor der es kein Ent­rin­nen gibt. Es ist wie bei Orwells 1984: Nir­gends gibt es Hoff­nung, die Ent­wick­lung kennt nur eine Rich­tung: die abso­lu­te Ver­nich­tung jeder Menschlichkeit.
Hein schreibt sach­lich, schnör­kel­los. Er sel­ber bezeich­net sich als Chro­nis­ten, und das paßt. Gera­de die­se Sach­lich­keit macht die Lek­tü­re manch­mal schmerz­haft, etwa wenn beschrie­ben wird, wie der 7‑jährige Maykl sei­ne tote Mut­ter ent­deckt und nicht wei­nen kann — er hat schon zu vie­le tote Men­schen gese­hen. Das sind Sze­nen, da kann man schon mal wei­nen oder das Buch aus der Hand legen, weil man nicht wei­ter­le­sen kann.
Der drit­te Teil ist lei­der für mein Emp­fin­den schwach gewor­den, den hät­te ich mir auf die Län­ge eines Epi­logs zusam­men­ge­stri­chen gewünscht.

Lese­emp­feh­lung? Schwie­rig. Für am The­ma inter­es­sier­te auf jeden Fall.

Ich fin­de die Erin­ne­rung, daß der Sta­li­nis­mus im eige­nen Land Mil­lio­nen eige­ner Bür­ger umge­bracht hat, immer wie­der erschre­ckend. Man weiß es ja, aber dennoch.

#aus­ge­le­sen

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Ins Knie schießen für Fortgeschrittene

Ges­tern ging @workplace das Dra­ma los:
DNS-Reso­lu­ti­on für unse­re Hosts ging mal, mal nicht mit SRVFAIL. Unser eige­ner auto­ri­ta­ti­ver Ser­ver hat­te kei­ne Pro­blem, aber der Rest der Welt: 1.1.1.1, 8.8.8.8, 9.9.9.9 und so wei­ter. Alle wie ein Blin­ker: An-Aus-An-Aus.
Als anstän­di­ger Hob­by-Admin betrei­be ich die frag­li­che Zone natür­lich mit DNSSEC, seit vie­len Jah­ren völ­lig schmerzlos.
Doch ges­tern zeig­te mir Dns­viz viel rot:

Very uncool. Nun KANN das eigent­lich gar nicht pas­sie­ren, ich habe in mei­nem bind die Zone so konfiguriert:

zone "sagich.nicht" {                                                                                                                                                                                                                          
  type master;                                                                                                                                                                                                                           
  auto-dnssec maintain;                                                                                                                                                                                                                  
  key-directory "/keys";                                                                                                                                                                                                                 
  inline-signing yes;                                                                                                                                                                                                                    
  file "sagich.nicht";                                                                                                                                                                                                         };

Das gan­ze Signing pas­siert also auto­ma­tisch, und das seit Jah­ren, und dar­an hat sich auch nichts geän­dert. Kru­zi­tür­kn! Ich bin kein DNS­SEC-Pro­fi, wie gesagt, das läuft seit Jah­ren sta­bil und ohne mensch­li­ches Eingreifen.

Heu­te früh dann noch mal mit fri­schem Tee einen Blick in die Run­de gewor­fen: Mein Pri­ma­ry hat eine Seri­al von 2021021014, wäh­rend der Secon­da­ry 2021070247 hat. Let’s do the math: 2021021014 < 2021070247. Wenn man Seri­al schreibt, hat sich die Schreib­wei­se YYY­YMMDD­zwei­stel­li­ge­sin­kre­ment bewährt. Es gibt im Fir­men-DNS (hof­fent­lich) nur zwei Men­schen, die da schrei­ben können/dürfen — einen Kol­le­gen und mich. Der höhe­ren Seri­al 2021070247 nach zu urtei­len, hat jemand am 07. 02. 2021 die Seri­al erhöht, um einen gewal­ti­gen Sprung. Was zur Fol­ge hat­te, daß der Secon­da­ry ab die­sem Zeit­punkt kei­ne Noti­fies mehr ent­ge­gen­nahm, war­um auch. Auch nicht die Noti­fies, daß sie die RRSIGs geän­dert haben…
Ich für mei­nen Teil kann mich nicht erin­nern, am 7. 2. im DNS geschmiert zu haben — was aber nicht all­zu­viel bedeu­tet, viel­leicht habe ja doch ich das vergeigt.
Jetzt müs­sen wir war­ten, bis der Admin des Secon­da­ries die Zone bei sich löscht und neu zieht, dann ist hof­fent­lich alles wie­der schön.

#sel­flart #dns #dns­sec

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