Kategorie: Lesen

Blöder Amazon Prime Day

Der Kind­le Paper­white ist mas­siv gesenkt (wer­be­frei 90 Euro statt regu­lär 140)

Nur tut mein alter Kind­le noch her­vor­ra­gend, und Audio brau­che ich nicht. Es gibt also kei­nen WAF-Grund zu kau­fen.
Bit­te hei­ra­tet nie­mals mei­ne Finanz­mi­nis­te­rin!

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Ode an die Jeans

Also DAS ist natür­lich eine sub­ver­si­ve Lie­bes­er­klä­rung!

Jumo: Jug­end­Mo­de. Jeans oder ver­gleich­ba­res gab es dort aber auch nicht. Es gab “Nie­ten­ho­sen”, die aber mit Jeans nur das Blau gemein hat­ten, ansons­ten aber aus dün­nem und labb­ri­gem Stoff bestan­den. Erst spä­ter, Ender der 70-er(?) gab es dann doch jeans­ar­ti­ge Hosen: Boxer, Shan­ty, Wisent…
Aber “rich­ti­ge” Jeans waren auch die­se nicht. Der Text ist aber von 1973, als Jeans tra­gen noch ein poli­ti­sches State­ment war, ein nicht unge­fähr­li­ches. Damals wur­den lang­haa­ri­ge “Gamm­ler” auch schon mal zwangs­wei­se vom Leh­rer zum Fri­seur geschleppt…

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Wahlöö: Mord im 31. Stock

Laut Rück­ti­tel ist das Wahlöös wich­tigs­ter Roman. Wenn das stimmt, dann sind die ande­ren völ­lig unwich­tig. Denn die­ser mag der wich­tigs­te sein, lei­der ist es auch ein ziem­lich schlech­ter.
Die Hand­lung spielt in einem dys­to­pi­schen Schwe­den. Der Staats­so­zia­lis­mus hat gesiecht, alle haben eine Ein­heits­woh­nung im Ein­heits­hoch­haus lan­ge vor WBS70. Kri­mi­na­li­tät gibt es kaum noch, die hohe Selbst­mord­ra­te wird sta­tis­tisch gegen Null gerech­net. Es gibt eine rie­si­ge Anzahl von Pres­se­er­zeug­nis­sen, alle seicht, alle von dem­sel­ben Rie­sen­kon­zern.
Gegen die­sen wird ein Anschlag ange­kün­digt, aber nicht durch­ge­führt. Die Ermitt­lun­gen führt Kom­mis­sar Jen­sen¹. Der ist von Magen­ko­li­ken geplagt, ein  aus­ge­zeich­ne­ter Kri­mi­na­list, unpo­li­tisch, eigen­bröt­le­risch, man könn­te ihn auch Mar­tin Beck nen­nen.
Jen­sen gewinnt im Lau­fe der Geschich­te tie­fe­re, unap­pe­tit­li­che Ein­bli­cke in den Pres­se­kon­zern, was Wahlöö zu län­ge­ren Betrach­tun­gen über die nega­ti­ven Aus­wir­kun­gen einen gleich­ge­schal­te­ten Jour­na­lis­mus bringt.
Da hat er durch­aus Recht, aber eigent­lich woll­te ich einen (Kriminal-)Roman lesen und kein Mani­fest.

Er soll da oben im Him­mel dem Herrn dan­ken, daß er Maj Sjö­wall getrof­fen hat, denn die gemein­sa­men Geschich­ten sind um Län­gen bes­ser.

Lese­emp­feh­lung? Nun, wenn man Schwe­di­sche Lite­ra­tur des 20. Jhs. im Prü­fungs­fach hat: ja, unbe­dingt! Ansons­ten eher nein.

#aus­ge­le­sen


¹ Übri­gens die ein­zi­ge Per­son mit Namen im gan­zen Roman, alle ande­ren wer­den nur mit ihrem Funk­ti­ons­ti­tel erwähnt. Das hat sicher einen mir ver­bor­ge­nen Grund.

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Bulgakow, der Meister und Margarita

Mei­ne letz­te Lek­tü­re ist wenigs­tens 30 Jah­re her, und die­ses Buch muß man defi­ni­tiv öfter als nur alle 30 Jah­re lesen.

Mos­kau in den 20-er, 30-er Jah­ren des vori­gen Jahr­hun­derts. Ein Aus­län­der der sich Voland nennt und sei­ne Spieß­ge­sel­len ver­an­stal­ten die wun­der­lichs­ten Din­ge: Lite­ra­ten wer­den geköpft, es reg­net Geld, das sich wahl­wei­se von Devi­sen in Rubel oder umge­dreht ver­wan­delt, Künst­ler lan­den rei­hen­wei­se in der Irren­an­stalt, nack­te Hexen flie­gen durch die Nacht über dem Arb­at
Locker ein­ge­wo­ben wird die Geschich­te von Pon­ti­us Pila­tus und Jesus’ Kreu­zi­gung. Die hat­te ich damals eher über­flo­gen, Schan­de über mich! Das ist unglaub­lich plas­tisch beschrie­ben, man fühlt die Hit­ze in Jeru­sa­lem zu Ostern flir­ren. Es wird Pila­tus’ Geschich­te beschrie­ben, Jesus ist eher not­wen­di­ge Staf­fa­ge.

Das Gan­ze vor dem Hin­ter­grund der NÖP, es gab (in Mos­kau, in pri­vi­le­gier­ten Krei­sen) durch­aus Wohl­stand — das Torg­sin-Kauf­haus erin­nert an die Inter­shops und die Exqui­sit-Läden in der DDR.
So geht es mun­ter und irre durch die ers­te Buch­hälf­te (unter­bro­chen durch die Pila­tus-Geschich­te)
Unge­fähr zur Hälf­te wird der Meis­ter ein­ge­führt: ein Schrift­stel­ler. Wie sich her­aus­stellt, ist er der Autor des Pila­tus-Romans, aus dem stre­cken­wei­se vor­her zitiert wur­de. So wie Voland natür­lich der Teu­fel ist, so ist der Meis­ter Dr. Faust, und ein Gret­chen hat er auch (Mar­ga­ri­ta)
Der Meis­ter ist im Gegen­satz zu all den ande­ren Schrift­stel­lern die im Roman vor­kom­men ein ech­ter Künst­ler. Sein Roman wird von allen Ver­la­gen abge­lehnt (ein Pila­tus-Roman in der Sowjet­uni­on der 20-er ist wirk­lich schwer vor­stell­bar).
Und so lebt er eher schlecht in einer klei­nen Sou­ter­rain-Woh­nung mit sei­ner Mar­ga­ri­ta zusam­men — bis sich Voland ein­mischt. Und da nimmt der Roman irre Fahrt auf. Die Beschrei­bun­gen der wahn­wit­zi­gen Rit­te durch den nächt­li­chen Mos­kau­er Him­mel lesen sich, als hät­te Marc Chagall ver­se­hent­lich die­se Pas­sa­gen geschrie­ben und nicht gemalt.

Am Schluß gehen die Geschich­te des Meis­ters und die von Pila­tus inein­an­der über, und es gibt, so wie ich das ver­ste­he, für sämt­li­che Betei­lig­ten ein Lösung: Erlö­sung von allem Leid. Ja, das ist auch ein reli­giö­ser Roman, aber von einer Reli­giö­si­ti­tät, die ganz anders ist als die meis­ten naß­for­schen Athe­is­ten ver­ste­hen, von den inkor­po­rier­ten Chris­ten ganz abge­se­hen.

Das ist zwei­fel­los ein Jahr­tau­sen­dro­man, der sich jeder schnel­len Inter­pre­ta­ti­on ent­zieht. Wer also ein Buch sucht, das ihn in sei­ner Welt­sicht bestä­tigt: Nein, für den ist das kein Buch.

Für alle ande­ren gibt es auf die Fra­ge nach der Lese­emp­feh­lung nur eine Ant­wort: Nein, kei­ne Lese­emp­feh­lung.

Lese­be­fehl!!!

#aus­ge­le­sen

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Der Meister und Margarita

Ich habe ja DIE Aus­ga­be. DIE Aus­ga­be ist die mit Illus­tra­tio­nen von Hans Fro­ni­us. Das ist wirk­lich kon­ge­ni­al.
Dazu gutes Papier, eine anstän­di­ge Faden­bin­dung, Lei­nenein­band. Kennt ihr das? Man legt ein Buch auf den Tisch, schlägt es an einer belie­bi­gen Stel­le auf — und es bleibt dort auf­ge­schla­gen, ohne daß man es fixie­ren müß­te?


So geht Buch­kunst!

28 Mark. Ich war 20, das war für mich, damals halb­tags Gar­de­ro­bier in der Uni­bi­blio­thek Greifs­wald ver­dammt viel Geld.

Der Vor­teil des Buches (Grö­ße, Gewicht) ist natür­lich auch sein Nach­teil: Man kann es nicht abends im Bett lesen. Also noch­mal kau­fen.

Ich bin dann mal weg, im Bett, nach all den kaput­ten schwe­di­schen Kom­mis­sa­ren mal einen anstän­di­gen Meis­ter lesen:-)

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Schwedenkrimis

Nun habe ich mitt­ler­wei­le vie­le von denen gele­sen: Sjöwall/Wahlöö vor Jahr­zehn­ten, Man­kell vor vie­len Jah­ren, Lars­son vor Jah­ren, nun wur­de es, mit der Zeit gehend auf dem Kind­le, Håkan Nes­ser, die ers­ten 3 der van-Vee­te­ren-Rei­he.
Ich woll­te mal was lesen, was nicht so gro­tesk blut­rüns­tig ist wie Man­kell, aber es soll­te auch “alt­mo­di­scher” als Lars­son sein, zumal ich die Hel­din Salan­der aus IT-Sicht nun wirk­lich nicht ernst neh­men kann.
Also van Vee­te­ren. Der ist der Enkel von Mar­tin Beck und der Sohn von Kurt Wal­lan­der. Ein Kom­mis­sar Ende 50, mit ers­ten Zip­per­lein und einem miß­ra­te­nen Sohn — ein typi­scher schwe­di­scher Kom­mis­sar eben.
Lei­der funk­tio­niert Nes­sers Idee, die Hand­lun­gen in einem ima­gi­nä­ren Land in Mit­tel- oder Nord­eu­ro­pa spie­len zu las­sen, über­haupt nicht. Die Atmo­sphä­re hat was von Lego­land Bil­lund, es ist, als hät­te der Autor ein Tilt-Shift-Objek­tiv zum Schrei­ben ver­wen­det.
Das ist ärger­lich, so ärger­lich, daß ich wohl bei 3 Roma­nen blei­ben wer­de.

Danach habe ich mir dann den ers­ten Mar­tin Beck vor­ge­nom­men, Die Tote im Göta-Kanal. Das ist es! Ein bru­ta­ler Mord, der Leser erfährt genau sovie­le Details wie not­wen­dig. Die Atmo­sphä­re authen­tisch, die Figu­ren, auch der Mör­der, eben­so. Span­nend und nüch­tern geschrie­ben.
Das zu lesen hat rich­tig Spaß gemacht.

Die Schu­he von Sjöwall/Wahlöö sind ver­dammt groß, die Nach­fol­ger ver­lie­ren sich in ihnen.

Übri­gens sind natür­lich die Kri­mis von Man­kell, Lars­son, Nes­ser zwei­fel­los gute Kri­mis — an die von Sjöwall/Wahlöö rei­chen sie aber nicht her­an.

 

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