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Kreuzfahren durch die Arktis

Ich muß in die rus­si­sche Ark­tis. Unbe­dingt. Franz-Josef-Land, Sewer­na­ja Seml­ja, Neu­si­bi­ri­sche Inseln, Wran­gel-Insel — kurz: die Nordost-Passage.
Man kann die­se Rei­sen buchen, mit ultra­kom­for­ta­blen Schiff (neh­me ich sehr ger­ne) und lei­der meh­re­ren hun­dert Mit­pas­sa­gie­ren. Wenn ich die Foto­stre­cken so betrach­te, sind das zumeist pen­sio­nier­te Gym­na­si­al­leh­rer, Ober­stu­di­en­rä­te und Pharmazieräte.
Dan­ke der Nach­fra­ge, ich habe fast gar kei­ne Vorurteile 😉
Jeden­falls sehen die auf den Fotos alle wie Ü60 aus, ein Alter, das ich erst in 6 Mona­ten erreicht haben wer­de. Mit solch Tat­ter­volk möch­te ich nicht expe­die­ren. Eigent­lich möch­te ich mir mir allein blei­ben, zumal es nie­man­den gibt, der mit mir so aus­ge­gli­chen zuran­de­kommt wie ich. Wir bei­de kom­men gut aus miteinander 😀
Gut, ein paar weni­ge Dut­zend Fami­lie und Kol­le­gen und Bekannt­schaft gehen so, die dürf­ten mit.

Was tun? Mir kam eine genia­le Idee: Ich buche ein­fach sämt­li­che Kabinen…

 

#addic­ted­to­the­arc­tic

Der Kreml auf Jan Mayen

Kris­ti­an und Johan hat­ten Geburts­tag — herz­li­chen Glückwunsch!
Was mich neu­gie­rig gemacht hat: Der Kreml.
Kreml auf Jan Mayen
War­um hat eine Hüt­te auf Jan May­en den Namen “Kreml 1958”?
Nun, Olon­kin­by­en wur­de ab 1958 gebaut, und die Bau­ar­bei­ter muß­ten ja irgend­wo unter­kom­men, Und so wur­den meh­re­re Hüt­ten gebaut, aus Treib­holz. Das Treib­holz auf Jen May­en kommt aus Sibi­ri­en. Und des­halb nann­te man damals die Hüt­ten scherz­aft “Kreml”

Habe ich im Inter­net irgend­wo gelesen!

 

#addic­ted­to­the­arc­tic

Die Russen in der Arktis

Eine beein­dru­cken­de Serie von Vide­os über eine Fahrt von Tik­si zur Mili­tär­sta­ti­on Temp auf der Kotel­ny-Insel.

Beein­dru­ckend in meh­rer­lei Hin­sicht: Da ist die schein­bar unend­li­che, auf jeden Fall lebens­feind­li­che Eis­wüs­te. Die Män­ner, die zusam­men sich durch­kämp­fen, über vie­le Wochen vor­wärts durch Schnee, Eis und grau­sa­me Käl­te. Die Tech­nik. DAS sind SUVs! 😉
Aber beein­dru­ckend ist auch der völ­lig unre­flek­tier­te Ein­satz mili­tä­ri­scher Macht zur Durch­set­zung der rus­si­schen Inter­es­sen. Denn natür­lich geht es um eins: Die glo­ba­le Erwär­mung führt dazu, daß die Nord­ost-Pas­sa­ge immer län­ger befahr­bar bleibt, jeden­falls im Som­mer. Sicher­lich brau­chen die Schif­fe einen eis­tüch­ti­gen Rumpf, aber es geht. Und wenn es dann wie­der käl­ter wird im Herbst und das Eis kommt: Es wird nicht mehr so viel/so mäch­ti­ges Eis sein wie frü­her, da kann man mit Eis­bre­chern gan­zen Schiffs­kon­vois die rus­si­sche Nord­küs­te pas­sier­bar machen. Ver­ges­sen wir nicht: Ruß­land ist das ein­zi­ge Land mit einer gan­zen Flot­te von Atom­eis­bre­chern. Und die Ree­de­rei­en, die Waren aus Asi­en zum Absatz­markt Euro­pa schaf­fen, wer­den genau durch­rech­nen, wie­viel Zeit und damit Sprit (und Lohn­kos­ten) sowie Maut für den Suez­ka­nal sie spa­ren, wenn sie nicht die Rou­te durch den Suez­ka­nal und das Mit­tel­meer neh­men müs­sen. Und die Rus­sen wis­sen das natür­lich und wer­den den Ree­dern mit spit­zem Blei­stift ein Ange­bot machen, dem sie kaum wer­den wider­ste­hen können.
Dafür lohnt es sich, im Gebiet schon mal Prä­senz zu zei­gen, lei­der spie­len sie die mili­tä­risch-natio­na­lis­ti­sche Karte.
Daß die Vide­os von RT stam­men, paßt natür­lich ins Bild.

Teil 1: https://www.youtube.com/watch?v=SbeJbesBChs
Teil 2: https://www.youtube.com/watch?v=CXeSI5W9M3A

 

#addic­ted­to­the­arc­tic

Unsere westliche Filterblase

Ich bin ja #addic­ted­to­the­arc­tic — und da sur­fe ich immer mal wie­der durch Goog­le Maps, dies­mal: Durch die Kara-See. Ganz links ange­schnit­ten ist Spitz­ber­gen, öst­lich davon Franz-Josef-Land, ganz im Osten dann Sewer­na­ja Semlja..
Etwa in der Mit­te zwie­schen Franz-Josef-Land und Sewer­na­ja Sem­ö­la eine Insel, eine wei­te­re etwa der­sel­ben Grö­ße süd­lich dann, wei­ter süd­öst­lich von die­ser noch eine wei­te­re, kleinere.

Kei­ne die­ser Inseln ist bezeich­net, so ist es schwer, Infor­ma­tio­nen zu bekommen.
Nun, es sind, von Nor­den nach Süden:

Na jeden­falls bin ich an Bil­dern, aber vor allem Vide­os inter­es­siert. Markt­füh­rer ist You­tube. Deutsch? Gar nichts. Eng­lisch? Nun ja. Rus­sisch? Mehr, vor allem als Einstiegspunkt..

Es ist aber span­nend: alle drei Inseln hat­ten eine Besat­zung, die Res­te kann man heu­te noch sehen (und natür­lich muß ich dort hin 😉) — jedoch die Infor­ma­tio­nen blei­ben dem Wes­ten unzu­gäng­lich — obwohl sie nicht ver­bor­gen sind, sie sind im Inter­net jedem zugänglich.
Wäre da nicht die Sprach­bar­rie­re, die gar kei­ne ist, son­dern die eher eine Über­heb­lich­keits­bar­rie­re ist.
Wenn man nach Ruß­land und Chi­na und Indi­en und… sieht: Die brau­chen uns nicht, jeden­falls nicht solan­ge wir ihnen die Rol­le des Juni­or­part­ners anbieten.
Der Wes­ten soll­te schnells­tens vom hohen Roß run­ter­kom­men — Hoch­mut kommt vor dem Fall.

Und ich muß in die Arktis 🙂

Neues von Hopen

Ich bin ja addicted 😉

Die vier Män­ner auf Hopen haben Besuch bekom­men — (noch) nicht von Eis­bä­ren, aber vom Sys­sel­mann und dem rus­si­schen Kon­sul aus Bar­ents­burg — es ging dar­um, die Opfer des Unter­gangs der Deka­b­rist 1942  (es gab wohl 3 Über­le­ben­de von 80 Besat­zungs­mit­glie­dern) mit einer Kranz­nie­der­le­gung zu ehren.

Und was machen vier ein­sa­me Män­ner auf einer Insel in der Bar­ent­see, wenn sie nach Mona­ten Besuch bekom­men? Ein Festessen!

(ich hot­lin­ke mal die Fotos aus dem Hopen-Blog, hof­fent­lich sind sie mir nicht böse)

Wie geil ist das denn??? Solch eine Gast­freund­schaft habe ich vor Jahr­zehn­ten in Geor­gi­en lie­ben gelernt. Aber im ark­ti­schen Nor­den, ange­bo­ten von vier rei­fen Her­ren — das ist wirk­lich überwältigend.

Und jedes­mal bin ich erstaunt, wie­viel Kom­fort sie dort haben. Auch haben müs­sen: 6 Mona­te sind sie dort, 4 Män­ner, 5(?) Hun­de, sonst nichts.

 

#addic­ted­to­the­arc­tic

Christiane Ritter, eine Frau erlebt die Polarnacht

1934 bekommt eine Frau wohl in Süd­deutsch­land oder Öster­reich einen Brief ihres Man­nes:

Gar zu ein­sam wird es ja für Dich nicht wer­den, da an der Nord­west­ecke der Küs­te, unge­fähr 90 Kilo­me­ter von hier, noch ein Jäger, ein alter Schwe­de, haust. Den kön­nen wir im Früh­jahr, wenn das Licht zurück­kommt und das Meer und die Fjor­de zuge­fro­ren sind, ein­mal besuchen.

Der Mann, eigent­lich Schiffs­of­fi­zier, ist seit Jah­ren als Jäger auf Spitz­ber­gen unter­wegs. Er lädt sie in die­sem Brief für ein Jahr in sei­ne Hüt­te auf Spitz­ber­gen ein. Ein Jahr, also mit Polar­nacht und Polar­tag, mit Som­mer und Win­ter. Die Hüt­te steht ca. 250 Kilo­me­ter von der nächs­ten mensch­li­chen Sied­lung ent­fernt auf And­ree­land im Nor­den Spitz­ber­gens — etwa hier. Und was macht die Frau, aus gutem Hau­se und ohne jeg­li­che Ark­tis-Erfah­rung, eine Toch­ter zu Hau­se, den Mann wohl seit Jah­ren nicht gese­hen? Sie packt ihre Sachen und fährt nach Spitzbergen.

Auf dem Weg zur Hüt­te stößt noch ein nor­we­gi­scher Jäger hin­zu, wohl so Mitte/Ende 20.

Die Hüt­te gibt es heu­te noch (Klick aufs Bild gibt wei­te­re Bilder): Ritterhytte

Mehr Bil­der hier. Wie groß mag die Hüt­te sein? Kaum mehr als 20 m², schät­ze ich mal. Zwei Män­ner, eine Frau, ein Jahr lang. Kein Tele­fon, kein Radio, kei­ne Zei­tung, kei­ne Nach­barn, kei­ne Stra­ße, kei­ne Ein­kaufs­mög­lich­kei­ten, kein Strom, nur ein rie­si­ger Kühlschrank.

Die Natur wird sehr inten­siv beschrie­ben, vor allem das Licht und die Far­ben (die Frau ist auch Male­rin, das wird eine Rol­le gespielt haben) Am meis­ten hat mich die Beschrei­bung der Polar­nacht und des begin­nen­den Win­ters beein­druckt. Das muß man sich mal vor­stel­len: Kein Leben, nir­gends. Es gibt kei­ne Pflan­zen, auch kei­ne Moo­se oder Far­ne. Kei­ne Insek­ten, kei­ne Säu­ge­tie­re, nicht ein­mal Vögel. Nichts. Buch­stäb­lich alles ist tot. Dabei ist die Frau wochen­lang allein, weil die Män­ner auf Jagd sind. Inklu­si­ve gleich anfangs eines neun­tä­gi­gen star­ken Schnee­stur­mes. Wahr­schein­lich machen wir uns gar kei­ne Vor­stel­lung davon, was dort ein star­ker Schnee­sturm ist. Irgend­wann kom­men die Män­ner zurück (Erin­ne­rung: Kei­ne Funk­ge­rä­te!). Dann geht der Nor­we­ger mal eben für zwei Mona­te allein auf Jagd. Die bei­den bekom­men aber ein Pro­blem: Das Fleisch geht zur Nei­ge, und wie gesagt: Es gibt kein Leben. Leben kommt erst mit dem Pack­eis von Nor­den, das die Rob­ben und damit die Eis­bä­ren mit­bringt. Eine Rob­be kann 500 Kilo Fleisch lie­fern, das reicht für vie­le Mona­te. Aber das Eis ist eben noch nicht da, und so gehen die bei­den (erfolg­los) auf Jagd.
Da ist es beim Lesen ganz hilf­reich, eine Kar­te zur Hand zu haben. Goog­le Maps ent­fällt natür­lich, aber es gibt eine her­vor­ra­gen­de topo­gra­fi­sche Spitz­ber­gen-Kar­te: https://toposvalbard.npolar.no/ — da kann man sehr schön die Orte sehen, die im Buch vor­kom­men (Manch­mal sind die Namen ein­ge­deutscht, aber man kriegts mit Hil­fe von Goog­le schon hin, die Kar­te will die nor­we­gi­schen Namen haben)

Wie gesagt, die Natur­schil­de­run­gen sind wirk­lich ein­drück­lich, und auch die Refle­xio­nen über den eige­nen Punkt im Weltengefüge.
Manch­mal sind mir die Schil­de­run­gen und Gedan­ken zu natur­re­li­gi­ös, aber so ist die Autorin eben.

Das Buch wird wohl zu Recht als Klas­si­ker der Ark­tis-Lite­ra­tur bezeich­net, aber mir als (heu­ti­gem) Leser blei­ben vie­le offe­ne Fragen:

  • War­um über­haupt fährt sie dort­hin? Sie schreibt zwar, daß sie schon immer an der Ark­tis inter­es­siert war, aber dann liest es sich doch so, als wol­le sie mal eben ihren Bru­der in Wan­ne-Eickel für ein Wochen­en­de besuchen.
  • Wie ver­rich­ten die ihre Not­durft? Da wird tage­lang wegen Schnee­sturm nicht aus der Hüt­te gegan­gen — aber auch wenn man raus­kommt: Wo/wie dann? Wahr­schein­lich war es 1936 nicht schick­lich , dar­über zu schrei­ben — aber es inter­es­siert mich dennoch.
  • Zwei Män­ner und eine Frau, alle ver­gleichs­wei­se jung, über Mona­te auf engs­tem Raum: Was ist da mit Sex?
  • War­um kei­ne Funk­ge­rä­te? Umber­to Nobi­le wur­de 1928 ganz in der Nähe nur dank eines Funk­ge­rä­tes geret­tet, das müs­sen die gewußt haben. Die ande­ren Jäger (der nächs­te schlap­pe 90 Kilo­me­ter ent­fernt, ohne Bus­hal­te­stel­le) schei­nen auch kei­ne zu haben, lags am Geld vielleicht?
  • War­um redet sie immer nur von ihrem Mann, nennt ihn aber nicht ein ein­zi­ges mal beim Namen?
  • War­um fischen sie nicht? Das Nah­rungs­pro­blem ist ja akut.

Das Buch ist trotz der inten­si­ven Natur­be­schrei­bun­gen ganz sicher kei­ne ganz gro­ße Lite­ra­tur, Reich-Rani­cki hät­te wohl ein Grrrräß­lich beigesteuert.

Lese­emp­feh­lung? Kommt drauf an. Für jeden Ark­tis-Jun­kie auf jeden Fall. Für alle ande­ren: Viel­leicht wer­det ihr nach der Lek­tü­re ja zum Arktis-Junkie 🙂

Anle­sen könnt ihr das Buch hier.

 

#aus­ge­le­sen #addic­ted­to­the­arc­tic

Müll selbst auf Jan Mayen

Jan May­en ist ganz ohne Zwei­fel mei­ne Traum­in­sel. Das ist schon manisch, immer wenn ich anfan­ge etwas zu zum Bei­spiel Jan Mus­ter­mann zu sagen, ver­dreht mei­ne Fami­lie bereits nach dem ers­ten Wort die Augen nach oben…
Die Insel liegt im ark­ti­schen Nichts, 500 Kilo­me­ter je zu Island, Grön­land und Spitz­ber­gen ent­fernt. Das Wet­ter ist ver­gleichs­wei­se mild: der Golf­strom fließt vor­bei. Und bringt Mas­sen an Müll mit 🙁
In den Säcken ist ange­lan­de­ter Plastemüll.

und

Bil­der von https://travelinspired.de/walkintrashout/

 

#addic­ted­to­the­arc­tic