Kategorie: Jena

Detlef Lotze: Griechische Geschichte

Zu die­sem Büch­lein hebe ich ein beson­de­res Ver­hält­nis — vor mehr als 30 Jah­ren hat­te ich beim Autor Vor­le­sun­gen in Alter Geschich­te, ich den­ke, auch Semi­na­re in Epi­gra­phik, wenn ich mich rich­tig erin­ne­re.
Die Vor­le­sun­gen, Semi­na­re, Übun­gen waren ein Graus. Der Mann war ein wan­deln­des Lexi­kon, der wuß­te ALLES (über grie­chi­sche Geschich­te) und war dabei staub­tro­cken wie die gan­zen Bücher in den Rega­len, die er durch­ge­ar­bei­tet haben muß.

Nun ja: Ich wer­de älter und stel­le immer öfter fest, daß es noch eini­ges nach­zu­ho­len und auf­zu­ar­bei­ten gilt im immer kür­zer wer­den­den Rest­le­ben — war­um also nicht mal mit dem Alt­his­to­ri­ker von damals?

Das Buch ist genau­so kno­chen­tro­cken wie sein Autor es war. Eine end­los lan­ge Ket­te an Haupt­sät­zen, in die sich nur ver­se­hent­lich ab und an ein Neben­satz ver­irrt hat.
Wer mal auch nur den Anfang der Gene­sis gele­sen hat, der wird wis­sen, was ich mei­ne. Nur fol­gen bei Lot­ze Schlacht auf Schlacht, Herr­scher auf Herr­scher, Söh­ne auf Väter. Und so quält man sich denn durch das gan­ze Buch — Lese­ver­gnü­gen ist was ande­res.
Bele­ge via Fuß­no­ten gibt es kei­ne, man muß dem Autor ver­trau­en (gele­gent­lich merkt er an, daß etwas umstrit­ten sei, das ist aber eher sel­ten) — im Prin­zip ist das ein aus­ufern­der, rie­sen­lan­ger Lexi­kon­ar­ti­kel, der aus der Hoch­zeit des Posi­ti­vis­mus im 19. Jahr­hun­dert stam­men könn­te. (Dazu sei aber ein­ge­scho­ben: In sei­nen Lehr­ver­an­stal­tun­gen leg­te er gro­ßen Wert auf die Fest­stel­lung, daß man allen Über­lie­fe­run­gen erst­mal skep­tisch begeg­nen sol­le, ins­be­son­de­re bei all­zug­lat­ten Zah­len: 10.000 Grie­chen gegen 100.000 Per­ser und ähn­li­ches)

Am Ende gibt es zwei Nach­wör­ter, eine recht nütz­li­che Zeit­ta­fel, eine umfang­rei­che Lite­ra­tur­lis­te (völ­lig wert­frei, ein­fach nur auf­ge­lis­tet, eins, zwei, drei) und ein Per­so­nen­re­gis­ter. Das könn­te nütz­lich sein, wenn denn Links gelegt wor­den wären, anstatt nur eine Sei­ten­zahl nach der Per­son abzu­dru­cken.

Lese­emp­feh­lung?
Für ange­hen­de Geschichts­stu­den­ten, die einen schnel­len und dabei doch umfas­sen­den Abriß der grie­chi­schen Geschich­te suchen — viel­leicht, eben­so viel­leicht für alle inter­es­sier­ten Lai­en.
Für den gro­ßen Rest der Mensch­heit eher nicht.

#aus­ge­le­sen

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Die Geschichte holt uns ein

Das könn­te schon fast ein Mot­to sein 😉

Wäh­rend des Stu­di­ums hat­te ich den grie­chi­schen Teil der Alten Geschich­te bei Det­lef Lot­ze, damals noch Dr. habil., der erst nach der Wen­de Pro­fes­sor wer­den durfte[1]

Der Mann war so gelehrt wie tro­cken: bei­des sehr. Saßen wir im Semi­nar (5 Stu­den­ten!), saß er vor­ne mit sei­nen Auf­zeich­nun­gen. Die das gan­ze Semi­nar über recht­wink­lig aus­ge­rich­tet wur­den. Weil nur rech­te Win­kel sind rech­te (also: rich­ti­ge) Win­kel. Wahr­schein­lich hat­te er auch Humor — manch­mal, nur sehr sel­ten, blitz­te der vor, vor allem dann, wenn es um den lini­en­treu­en Insti­tuts­di­rek­tor und des­sen klas­sen­treue Sicht auf die grie­chi­sche Geschich­te ging.
Ich glau­be nicht, daß sich Lot­ze all­zu­viel aus den Stu­den­ten mach­te — der Mann war Stu­ben­ge­lehr­ter durch und durch.
Aber: eins habe ich fürs Leben mit­ge­nom­men: Wenn irgend­wo steht: 10.000 Hopli­ten haben irgend­wo gekämpft/gewonnen/verloren — dann ist das bestimmt falsch. Denn wer zählt 10.000 Men­schen? Das kriegt man ja nicht ein­mal heu­te bei Demons­tra­tio­nen hin, also damals erst recht nicht, genau­so­we­nig wie in all den Krie­gen, Auf­stän­den, Revo­lu­tio­nen spä­ter. Lot­ze hat­te uns bei­gebracht: Geschich­te ist immer die Geschich­te der Sie­ger.
Dan­ke dafür, Herr Lot­ze!

Mal sehen, wann ich ein­schla­fe nach­her 😉

Das Buch.

 


[1] Sein Pro­blem war nicht etwa, nicht in DER Par­tei gewe­sen zu sein, son­dern in gar kei­ner. 1962 habi­li­tiert, 1990 beru­fen. Mei­ne Fres­se.

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Forchheim

In Jena hat­ten wir im Nach­bar­haus im Kel­ler ein ita­lie­ni­sches Restau­rant, zu des­sen Betrei­ber sich über die Jah­re ein bei­na­he freund­schaft­li­ches Ver­hält­nis ent­wi­ckel­te. Unse­re Söh­ne gin­gen in eine gemein­sa­me Klas­se, wir hal­fen Roc­co beim Aus­fül­len von Behör­den­an­trä­gen, fuh­ren ihn nach einem Kon­takt mit 220 Volt 300 Meter mit dem Auto in die Not­auf­nah­me…

Lei­der muß­te er das Restau­rant dann vor sicher­lich mitt­ler­wei­le wenigs­tens 15 Jah­ren auf­ge­ben, da die Stadt ihm Park­plät­ze vor dem Restau­rant ver­wei­ger­te. Er ging dann zurück nach Forch­heim und eröff­ne­te dort ein Restau­rant, das wohl ganz gut läuft.

Mitt­ler­wei­le sind wir nach Greifs­wald umge­zo­gen, und 700 Kilo­me­ter (und zurück) fah­ren um mal bei einem alten Bekann­ten Sal­tim­buc­ca zu essen — nee, das geht nicht.
Aber wir sind ja gera­de in Fürth bei Sohn und Enke­lin­nen, da ist es nicht weit nach Forch­heim. Wir hat­ten also heu­te ein lecke­res Mit­tag. Roc­co war zwar nicht da, aber der Sohn, Giu­sep­pe, erkann­te uns tat­säch­lich (ich war schon mal vor ca. 2 Jah­ren da).

Und danach woll­ten wir uns nur ein wenig die Bei­ne in der Stadt ver­tre­ten.
Das war eine vor­züg­li­che Idee, denn die Innen­stadt ist wirk­lich schnuck­lig.

Ein paar Impres­sio­nen:
(Die­se Grup­pe vom Her­ren, die sich alle gegen­sei­tig beklau­en, steht vor der Spar­kas­se, ich fin­de das sehr wit­zig)

Innen­hof Burg Forch­heim

Muse­um Burg Forch­heim, Audio­bei­spie­le für frän­ki­schen Dia­lekt. Kom­plett unver­ständ­lich 😉

Wand­ma­le­rei Burg Forch­heim, Anbe­tung der hei­li­gen drei Köni­ge.

Alles in allem: Ein sehr hüb­sches Städt­chen, noch dazu wohl mit etli­chen Braue­rei­en.

1+

Umweltschutz funktioniert nicht in der sozialen Marktwirtschaft

Stei­le The­se, gell?

Doch schau’ mer mal: Als DIE Kli­ma­kil­ler (Umwelt ist nicht nur Kli­ma: Plas­te, ich weiß) wur­den aus­ge­macht:

  • Auto­ver­kehr
  • Flug­ver­kehr
  • Schiffs­ver­kehr, nament­lich Kreuz­fahr­ten

Was den Auto­ver­kehr betrifft: E‑Autos sind ganz sicher kei­ne Lösung. Eine Lösung wäre die mas­si­ve Sen­kung des Indi­vi­du­al­ver­kehrs, ob Ver­bren­ner oder elek­trisch.
Da wür­de aber hei­ßen: Ein­bruch der Auto­pro­duk­ti­on. Und dabei wäre es völ­lig egal, ob die deut­schen Her­stel­ler nun im E‑Bereich wirk­lich nach­zie­hen oder nicht. Und schon bei E‑Autos siehts schlecht aus für so man­chen Zulie­fe­rer: Moto­ren, Ein­spritz­an­la­gen, Aus­puff­an­la­gen… braucht man dann nicht mehr.
Von Brenn­stoff gar nicht zu reden.

Flug­ver­kehr: Allein der Her­stel­ler Air­bus hat 133k Mit­ar­bei­ter. Auch hier müs­sen wir die Zulie­fe­rer hin­zu­rech­nen. Und die Flug­hä­fen mit all dem Ser­vice­per­so­nal, den Shops, den Zubrin­gern, der Secu­ri­ty…

Kreuz­fahr­ten: Hier in M‑V gibt es eine Werf­ten­in­dus­trie, die etwas nach der Wen­de von Zocker-Rus­sen gekauft wur­de und nun größ­ten­teils für einen malai­ischen Misch­kon­zern arbei­tet. Ein ein­zel­nes gro­ßes Kreuz­fahrt­schiff kos­tet wohl in etwa $500 Mil­lio­nen, hin­zu kommt, daß Expe­di­ti­ons­schif­fe (also klei­ne­re Kreuz­fahrt­schif­fe, die auch dort­hin fah­ren kön­nen, wohin die gro­ßen nicht kom­men: Eis­mee­re zum Bei­spiel) gera­de boo­men.
Für Kreuz­fah­rer läßt Kiel den Steu­er­zah­ler blu­ten. Und dabei ist es Quatsch: Die Tou­ris­ten kau­fen nur Tin­nef, das ist alles. Jeden­falls in Ros­tock wer­den sie vom Schiff in Bus­se gekippt und 200 Kilo­me­ter weit nach Ber­lin gekarrt. We nicht mit­fährt, bleibt an Bord zum Essen (all inclu­si­ve!) und geht dann viel­leicht an Land, um eine Plüsch­mö­we made in Chi­na zu kau­fen.

Und so wer­den uns die Poli­ti­ker erzäh­len, daß an Auto­ver­kehr, Flug­ver­kehr, Kreuz­fahr­ten ARBEITSPLÄTZE hän­gen und sie nun alles mit Augen­maß ange­hen müs­sen. Wobei Augen­maß heißt: Nach der nächs­ten Wahl sehen wir wei­ter.

Und des­we­gen gehen Umwelt­schutz und sozia­le Markt­wirt­schaft nicht zusam­men. Weil sozia­le Markt­wirt­schaft näm­lich nur eine Tarn­be­zeich­nung für Kapi­ta­lis­mus ist.

Sor­ry, Wal­ter Eucken, Du hat­test das wahr­schein­lich anders gedach­t¹


¹ ich habe eine sehr per­sön­li­che Bezie­hung zu sei­nem Vater Rudolf.

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Aufstieg auf den Jenzig

Moritz und ich natür­lich nur — Män­ner, wis­sen­schon!

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