Kategorie: Krimskrams

Marc-Uwe Kling: Quality Land 2.0

Ein Kapi­tel habe ich mir ange­tan, das ers­te, mehr wer­den es sicher nicht werden.
Zuge­ge­ben: Ich habe noch nie was von ihm gele­sen, die Kän­gu­ruh­chro­ni­ken aber gehört, und das ist zum Schrei­en lus­tig. Qua­li­ty­land schwarz liegt als Holz­buch auf dem Schreib­tisch, aber ob ich da je rein­se­hen wer­de? Mei­ne Vor­ur­tei­le sind gewöhn­lich sehr robust…

Was stört mich? Der infan­ti­le, pen­nä­ler­haf­te Humor. Oh, das ist an vie­len Stel­len durch­aus wit­zig und niveau­vol­ler als deut­sche Come­dy, aber vie­le Wit­ze wer­den geris­sen, weil sie sich gera­de anbie­ten und Kling sie ein­fach nicht lie­gen las­sen kann. Das wirkt an vie­len Stel­len über­dreht auf mich.
Ich den­ke, auf der Büh­ne wird das, viel­leicht auch im Dia­log mit dem Publi­kum, wun­der­bar funk­tio­nie­ren. Viel­leicht auch wie­der als Audio­book, er liest ja höchst vergnügend.

Aber als Buch funk­tio­niert es für mich nicht.

Warum hat dieser Film nicht mindestens 5 Oscars bekommen?

Habe gera­de Richard III gese­hen. Die Hand­lung kann man bei Shake­speare nach­le­sen; ehr­li­cher­wei­se geste­he ich: Ich habe das Ori­gi­nal nicht gelesen.
Jeden­falls ist es eine blut­rüns­ti­ge Geschich­te, mit viel Mord, Kaba­le und Lie­be, in ein faschis­ti­sches Eng­land der 30-er Jah­re gebeamt.
Und ein Ian McKel­len, der hier ver­mut­lich die Film­rol­le sei­nes Lebens spielt. Das MUSS man gese­hen haben! Er spielt den ruch­lo­sen Krüp­pel irgend­wo zwi­schen Kunst­fi­gur (es ist noch immer ein Shake­speare-Dra­ma!) und beklem­mend dia­bo­lisch, dazu kommt noch die Mas­ke, die ihn zur Frat­ze macht.
Es gibt Land­schafts­auf­nah­men, die an Kubricks Bar­ry Lyn­don erinnern.
Und kom­plett irre: Die Dia­lo­ge. Die spre­chen Shake­speare, wirk­lich! (Jeden­falls ver­mu­te ich das, wie gesagt, ich ken­ne das Ori­gi­nal nicht)
Das Ende hat mir nicht so gut gefal­len, zuviel Explo­sio­nen, Feu­er, Bumbum.

Kuck­be­fehl!

Test, please ignore

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E‑Auto: Routing

Unser klei­ner Fiat 500e hat natür­lich ein Navi an Bord, mit dem man sich rou­ten las­sen kann. Das ist heut­zu­ta­ge nun wirk­lich nicht spektakulär.
Aller­dings: Bei E‑Autos möch­te man, daß der Strom­ver­brauch ins Rou­ting ein­be­zo­gen wird, es ist ja nicht so, daß an jeder zwei­ten Ecke ein Schnell­la­der stün­de. Und AC-Lader nüt­zen nichts, wenn man unter­wegs ist. Kurz: Ich möch­te, daß das Rou­ting errech­net, wel­che Lade­sta­tio­nen auf der Stre­cke ich anfah­ren soll­te, dabei berück­sich­tigt, wie schnell die laden kön­nen, dabei mei­ne Prä­fe­ren­zen berück­sich­tigt — also ob ich eher sel­ten und dafür lan­ge oder öfter und kurz laden möch­te. Und selbst­ver­ständ­lich soll das Navi auto­ma­tisch nach einer neu­en Sta­ti­on rou­ten, wenn die ursprüng­lich geplan­te nicht erreicht wer­den kann, der Ver­brauch ist ja abhän­gig von Tem­pe­ra­tur, Stre­cken­pro­fil, Wind­rich­tung, Zula­dung, da kann es pas­sie­ren, daß die ursprüng­li­che Pla­nung nicht mehr paßt irgendwann.
Was aber wirk­lich ist: Im Fal­le daß der Akku­stand unter einen bestimm­ten Wert sinkt (20% ?), mel­det sich das Navi und meint, ich sol­le doch laden, genau so, wie das jeder Ver­bren­ner tut: da leuch­tet halt die Sprit­lam­pe. Immer­hin zeigt mir das Navi Lade­sta­tio­nen in mei­ner Nähe an, ob die für mich über­haupt geeig­net sind (Ste­cker, Geschwin­dig­keit), erfährt man erst nach einer Touch-Orgie, an der man ganz gewiß nicht wäh­rend der Fahrt teil­neh­men möch­te. Und dabei hat doch das Auto alle Infos: Wo ist wel­che Lade­sta­ti­on, wie ist der Bat­te­rie­stand, wohin solls gehen.. Aber sie brin­gen es nicht zusam­men. Fiat kann eben kei­ne Soft­ware, und bei vie­len ande­ren E‑Autos ist die Situa­ti­on wohl gleich traurig.
In die Lücke springt ein Anbie­ter: A bet­ter rou­te plan­ner. Das Teil hat eigent­lich alles, was ich mir wün­sche, nur eins natür­lich nicht: Die Live­da­ten der Bat­te­rie. Also: eigent­lich nicht, seit ges­tern schon 😀. Das Zau­ber­wort ist OBD. Und dafür habe ich seit ges­tern einen Don­gle, 25 € oder so, der mit der Navi-Soft­ware auf dem Han­dy reden kann.
Das sieht dann so aus:

Das funk­tio­niert erst­mal (hof­fent­lich), fürs Sah­ne­häub­chen (Berück­sich­ti­gung Wet­ter, Echt­zeit Ver­kehrs­da­ten, Anzei­ge auf dem Auto-Dis­play (Car­play, Android Auto)) bezahlt man dann noch 5 €/Monat oder 50€/Jahr. Fai­rer Preis, wie ich finde.
Dann kann die Gat­tin am Sonn­abend ent­spannt zu ihrem Klas­sen­tref­fen fahren 😉

Segeltörn

W., N. — schön wars, danke!

War­um das Gar­min auf der Rück­fahrt nur noch Luft­li­nie auf­ge­zeich­net hat — ich habe kei­ne Ahnung.

 

33,1 Kilo­me­ter angeb­lich, 18 Seemeilen.

Willi Münzenberg, Propaganda als Waffe

Das Titel­bild ist leicht abge­wan­delt ein Pla­kat von ca. 1939, das für die Mit­glied­schaft im BDM wirbt, hier zum Bei­spiel. Es paßt also zeit­lich wohl nicht ganz zum Buch, das bereits 1937 in Paris erschie­nen ist, aber es paßt doch her­vor­ra­gend zum Thema.
Mün­zen­berg ist zwei­fel­los eine der inter­es­san­tes­ten Figu­ren in der sozia­lis­ti­schen Bewe­gung in der ers­ten Hälf­te des 20. Jahr­hun­derts. Bau­te den zweit­größ­ten Medi­en­kon­zern in Deutsch­land auf (nach Alfred Hugen­berg), Mit­glied des ZK der KPD, bekannt mit Lenin und Sta­lin, von den Nazis in Abwe­sen­heit zum Tode ver­ur­teilt, von Sta­lin wohl eben­so (wenn auch ohne Pro­zeß, Sta­lin woll­te grund­sätz­lich “Geständ­nis­se” haben), aus der KPD aus­ge­tre­ten, stran­gu­liert auf­ge­fun­den in einem fran­zö­si­schen Wald, von wem, weiß man nicht, sowohl Sta­lin als auch Hit­ler kom­men als Auf­trag­ge­ber in Frage.
Wenn einer was von lin­ker Pro­pa­gan­da und Pro­pa­gan­da über­haupt ver­stand, dann er. Uns heu­ti­gen ist ja schon das Wort “Pro­pa­gan­da” suspekt, das kann auch mit dem Unter­gang der DDR zu tun haben: Agit­Prop war ein wich­ti­ger Bestand­teil des obrig­keits­ver­ord­ne­ten gesell­schaft­li­chen Lebens. Aber auch anders­wo war Agit­Prop nicht unbe­dingt nega­tiv besetzt, mir fal­len Klaus Staeck und Floh de Colo­gne (kennt die noch jemand?) ein.
Aber damals war “Pro­pa­gan­da” als Mit­tel im poli­ti­schen Kampf völ­lig nor­mal und durch­aus posi­tiv besetzt.
Und so ana­ly­siert Mün­zen­berg die faschis­ti­sche Pro­pa­gan­da und deren theo­re­ti­sche Hin­ter­grün­de, dabei ist er über­aus bele­sen und belegt sei­ne Zita­te mit kon­kre­ten Quel­len­an­ga­ben (Buch, Sei­ten­zahl). Und man­ches kommt erstaun­lich bekannt vor, wer erin­nert sich nicht an Neu­sprech?

Die Aus­beu­tung heißt jetzt: »deut­scher Sozia­lis­mus«, Knecht­schaft: »Frei­heit«, Dik­ta­tur: »höhe­re Demo­kra­tie«, Kriegs­vor­be­rei­tung: »Frie­dens­si­che­rung«, Lüge: »Wahr­heit«.

Was auf­fällt am Buch: Es ist eine wis­sen­schaft­li­che Abhand­lung, aus Sicht des Anti­fa­schis­ten Mün­zen­berg geschrie­ben. Es zeigt, daß Par­tei­lich­keit nicht unbe­dingt Wis­sen­schaft­lich­keit aus­schließt. Was aber auch auf­fällt: Pro­gno­sen sind schwie­rig, ins­be­son­de­re wenn sie die Zukunft betref­fen. Und da lag Mün­zen­berg kom­plett daneben:

Die Hit­ler­pro­pa­gan­da muss auto­ma­tisch im Lau­fe einer gewis­sen Zeit eine Waf­fe gegen den Natio­nal­so­zia­lis­mus selbst wer­den. Die unauf­hör­lich wie­der­hol­te Lüge wen­det sich gegen ihre Ver­brei­ter, sobald sich die Wahr­heit Bahn bricht.

So dreht sich dann das letz­te Kapi­tel “Offen­si­ve der Gegen­pro­pa­gan­da” um ein The­ma: Die Anti­fa­schis­ten müs­sen mehr und bes­se­re Pro­pa­gan­da machen, die Zeit dafür sei jetzt gekom­men, wo das Hit­ler-Sys­tem wirt­schaft­lich und sozi­al vor dem Kol­laps steht. Bekann­ter­ma­ßen hat Hit­ler einen Aus­weg aus der Kri­se gefun­den: den WK II.
Mün­zen­berg fand sein Ende eben ermor­det 1940 in einem fran­zö­si­schen Wald, wäh­rend Hugen­berg 1951 mit dem Sta­tus “ent­na­zi­fi­ziert” fried­lich in West­deutsch­land ster­ben konnte.

Lese­emp­feh­lung? Nun ja, der Text ist oft weit­schwei­fig und red­un­dant, liest sich aber ver­ständ­lich. Die Hit­ler-Pro­pa­gan­da wird sys­te­ma­tisch und aus­führ­lich ana­ly­siert, nicht wert­frei, aber, wie schon betont: wis­sen­schaft­lich. Das ist durch­aus erkennt­nis­fö­de­rnd. Die Zeit ist lan­ge her, glück­li­cher­wei­se. Aber so lan­ge dann eben doch nicht, mir sind beim Lesen immer wie­der drei Buch­sta­ben in den Kopf geschos­sen: AfD. Wer wis­sen möch­te, an wel­chen Lini­en sich die Pro­pa­gan­da ins­be­son­de­re aus dem Umfeld Höcke aus­rich­tet: Exakt an der Nazi-Propaganda.
Also kein Lese­muß, aber für den inter­es­sier­ten Leser doch eine ein­deu­ti­ge Leseempfehlung.

 

#aus­ge­le­sen

 

OT: Den 30. Janu­ar 1933 bezeich­net Mün­zen­berg durch­ge­hend als “Macht­über­las­sung”. Ich fin­de die­sen Begriff sehr passend.

Jewgeni Samjatin, Wir

Die Fak­ten kann man über­all nach­le­sen: Ein dys­to­pi­scher Roman, geschrie­ben 1920 in Ruß­land von einem rus­si­schen Revo­lu­tio­när, zuerst erschie­nen in der Sowjet­uni­on 1988, ande­ren­orts war er natür­lich längst erschie­nen, Orwell hat­te ihn gele­sen und 1984 ist ohne Wir kaum denkbar.

Wor­um geht es? Das ist gar nicht so ein­fach. Der Roman ist in ich-Form geschrie­ben und rich­tet sich immer wie­der direkt an den Leser. Der Autor hat kei­nen Namen, kei­ne Figur hat einen Namen, es gibt nur Num­mer. Der Autor ist D‑503, alle ande­ren Figu­ren haben ähn­li­che Bezeich­nun­gen, bis auf den gro­ßen Dik­ta­tor, der heißt Wohl­tä­ter. Der Staat heißt Ein­zi­ger Staat, die Poli­zis­ten sind die Beschüt­zer. D‑503 ist der Chef­kon­struk­teur eines Rake­ten­flug­zeu­ges “Inte­gral”, wofür das gedacht ist, ist mir nicht klar gewor­den. Der Ein­zi­ge Staat hat ein Ziel: jede Indi­vi­dua­li­tät, jede Frei­heit aus­zu­lö­schen, des­halb auch kei­ne Namen.

Ist die Frei­heit des Men­schen gleich Null, begeht er kei­ne Ver­bre­chen. Das ist völ­lig klar. Das ein­zi­ge Mit­tel, den Men­schen vor dem Ver­bre­chen zu bewah­ren, ist, ihn vor der Frei­heit zu bewahren.

Der Autor ist ein nüch­ter­ner Inge­nieur, er meint wirk­lich, daß der Ein­zi­ge Staat alles rich­ti­ge für die Men­schen Num­mern tut. Und es geht ihnen gut, schein­bar hat jeder Arbeit, für jeden sorgt der Staat. Der teilt dann auch Sex­part­ner zu, die dann für 20 Minu­ten sich tref­fen und dabei die Gar­di­nen schlie­ßen dür­fen. Ansons­ten sind die Häu­ser glä­sern, jeder kann/darf/soll jeden sehen.

Es gibt wie­der­keh­ren­de Mas­sen­ver­an­stal­tun­gen, um dem Ein­zi­gen Staat und dem Wohl­tä­ter zu hul­di­gen, dabei wer­den auch Num­mern, die nicht zu 100% auf Linie sind, vom Wohl­tä­ter per­sön­lich hingerichtet.

Jeden­falls ver­liebt sich K‑503 eines Tages in I‑330, die ihn in eine neue Welt ein­führt. Es gibt da ein Haus, ver­win­kelt, undurch­sich­tig, mit einer kau­zi­gen alten Frau am Ein­gang, dort tref­fen sie sich. I‑330 ist geheim­nis­voll, es stellt sich aber bald her­aus, daß sie zu einer Art Oppo­si­ti­on gehört, die sich den Inte­gral schnap­pen wol­len, wofür, ist nicht klar. Dem Ein­zi­gen Staat ent­flie­hen oder die Rake­te als Waf­fe gegen den Staat richten?

Der Start­ter­min von Inte­gral kommt immer näher, und K‑503 weiß nicht wirk­lich, was pas­sie­ren wird. Gleich­zei­tig gibt es eine staat­li­che Kam­pa­gne: Der Ein­zi­ge Statt hat erkannt, was die Num­mern am abso­lu­ten Glück noch hin­dert: Die Phantasie.
Aber das ist kein Pro­blem, man hat erkannt, daß zwei Sprit­zen direkt ins Gehirn rei­chen, um die Phan­ta­sie ein für alle mal aus­zu­schal­ten. Und so müs­sen sich alle sprit­zen las­sen. Die Kolon­nen, die dann aus der “Kli­nik” kom­men, wer­den beschrie­ben, als hät­te Rid­ley Scott sie direkt für sein Apple-Video ver­wen­det. Bedrü­ckend. Und auch D‑503 emp­fängt die Sprit­ze. Er ver­rät I‑330, die gefol­tert wird, ihn aber nicht ver­rät, dafür hin­ge­rich­tet wird — sie wäre in jedem Fal­le hin­ge­rich­tet worden.

Am Ende ist der Autor wunsch­los glücklich.

Der Roman ist nicht ganz ein­fach zu lesen, es gibt kei­ne strin­gen­te Hand­lung, eher ein Auf­ein­an­der­fol­gen von Sze­nen, Bil­dern — er liest sich wie Eisen­stein geschnit­ten hat, Maja­kow­ski gedich­tet hat, Male­witsch gemalt hat.
Für mich hat er nicht, glück­li­cher­wei­se nicht, die abso­lu­te Hoff­nungs­lo­sig­keit von 1984, aber bleibt natür­lich har­te Kost.
Lese­emp­feh­lung? Ja!

 

#aus­ge­le­sen