Corona und die Grenzen der Demokratie

Deutsch­land, Dezem­ber 2020: Täg­lich zwi­schen 15k und 30k Neu­in­fek­tio­nen, zwi­schen 500 und 1000 Corona-Tote.
Wir sind in der zwei­ten Wel­le, die ers­te war wohl weni­ger schlimm. Wir hat­ten Zeit, uns auf die zwei­te Wel­le vor­zu­be­rei­ten, die von vie­len Sei­ten pro­gnos­ti­ziert wor­den war.

Wuhan, Chi­na, Febru­ar 2020: eine Rie­sen­kli­nik wird in 10 Tagen errich­tet, eine zwei­te, noch grö­ße­re, folgt kurz dar­auf. Selbst­ver­ständ­lich geht das nur, wenn eine dik­ta­to­ri­sche Büro­kra­tie Geneh­mi­gun­gen aus­gibt und für Bau­ma­te­ri­al und Arbeits­kräf­te 40 Sunden/Tag sorgt. Und schein­bar hat­ten sie aus SARS gelernt. Wir nicht, war ja hin­ten, in Chi­na. Wir sind ja das Kul­tur­volk, Goe­the, Faust I, vor dem Tor, der deut­sche Bürger:

Nichts Bes­sers weiß ich mir an Sonn- und Feiertagen
Als ein Gespräch von Krieg und Kriegsgeschrei,
Wenn hin­ten, weit, in der Türkei,
Die Völ­ker auf­ein­an­der schlagen.
Man steht am Fens­ter, trinkt sein Gläs­chen aus
Und sieht den Fluß hin­ab die bun­ten Schif­fe gleiten;
Dann kehrt man abends froh nach Haus,
Und seg­net Fried und Friedenszeiten.

Und wer sich erin­nert: Genau­so war es Anfang 2020 in Deutsch­land: Der Chi­na­mann hat ein Pro­blem, der Dus­sel. Nur schein­bar hat­ten die chi­ne­si­schen Behör­den die SARS-Epi­de­mie ana­ly­siert und die Ana­ly­sen in kon­kre­te Fall­sze­na­ri­en gegossen.

Und wir? Unser SARS war im Früh­jahr. Was haben wir gelernt für die zwei­te Wel­le? Kor­rekt: nichts, gar nichts. Wir sind blind­fah­rend mit Voll­gas rein­ge­don­nert. Ein Mas­sen­un­fall mit Ansa­ge, es war ja so, daß Exper­ten die zwei­te Wel­le vor­aus­ge­sagt hatten.
Man hät­te Zeit gehabt, für aus­rei­chend Res­sour­cen zu sor­gen für die Erkrank­ten. Man hät­te Zeit gehabt, für die Schul­kin­der zu sor­gen, die nun kom­plett unter col­la­te­ral dama­ge ver­bucht wer­den — wie auch die Toten, die man viel­leicht hät­te ret­ten kön­nen in chi­ne­si­schen Krankenhäusern.

So stellt sich die Fra­ge, was denn bes­ser sei: eine büro­kra­ti­sche Demo­kra­tie, die mit der Situa­ti­on über­for­dert ist, soweit, daß es ech­te Opfer kos­tet, nicht nur die ver­bo­te­ne Sil­ves­ter-Böl­le­rei — oder eine büro­kra­ti­sche Dik­ta­tur, die mit der Situa­ti­on krea­tiv umge­hen kann, so gut, daß Men­schen­le­ben geret­tet werden?

Ceter­um cen­seo daß eine föde­ra­le Bil­dungs­po­li­tik zwar vie­le Ses­sel­pup­ser­jobs schafft, ansons­ten aber völ­lig aus der Zeit gefal­len ist.
1871 war früher.

#unmut

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