Kategorie: Politik

Wahlentscheidung einfach gemacht

Bei uns sind auch Kom­mu­nal­wah­len, und ich habe bei bei­den Wah­len ein ein­fa­ches Aus­schluß­kri­te­ri­um: Wer pla­ka­tiert, wird nicht gewählt. Denn das ist eine ein­zi­ge Wäh­ler­be­lei­di­gung: zu mei­nen, der Wäh­ler wür­de irgend­ei­ne Hack­fres­se wäh­len, nur weil auf deren Pla­kat “Für Frie­den! Für Freu­de! Für Eier­ku­chen!” steht, optisch umge­setzt von einer Agen­tur, die ges­tern noch für Dosen­ra­vio­li gewor­ben hat.

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Kevin Kühnert, die zweite

Geständ­nis: Ja, ich bin SPON-Leser. Ublock Ori­gin ist soweit kon­fi­gu­riert, daß SPON les­bar ist, auch der Bei­trag, um den es geht: Küh­nerts Kapi­ta­lis­mus­kri­tik — von dem alle reden, den kaum jemand gele­sen zu haben scheint. Hier ist er, zur Refe­renz.
Schät­zungs­wei­se ist man ja in Ham­burg sau­er, daß Mün­chen den Scoop gelan­det hat: seis drum, ist mir egal. Wich­tig ist nur, was gesagt wur­de, danach von wem und zual­ler­letzt, wer es gebracht hat.
Und das Inter­view zeigt eins: Das war kein Zufall. Bei­de. Inter­view­er wie Inter­view­ter, sind gut vor­be­rei­tet, und so geschlif­fen wie der end­gül­ti­ge Text gewor­den ist, darf man davon aus­ge­hen, daß er redi­giert wur­de. Da hat jemand ganz genau gewußt, was er sagt, und der Jour­na­list hat ganz genau gewußt, was er fra­gen muß — und doch ist es kein Stich­wort­wer­fen.
Die­ses Inter­view ist auch ein Bei­spiel für guten Jour­na­lis­mus!
Und nun stellt sogar SPON als Sturm­ge­schütz des satu­rier­ten Bil­dungs­bür­gers fest, daß Küh­nerts The­sen min­des­tens dis­ku­tie­rens­wür­dig sind, sine ira et stu­dio. Das Erfri­schen­de ist ja, daß Küh­nert die Unzu­läng­lich­kei­ten unse­rer Gesell­schaft über­zeu­gend und unver­kopft bringt. Der Mann ist 29, das ist ein schö­nes Alter: zu alt, um jeden Unfug mit­zu­ma­chen, zu jung, um dem Bau­spar­ver­trag hin­ter­her­zu­he­cheln.
Gott, man stel­le sich vor, die Zeit hät­te eine Home­sto­ry mit Phil­ipp “Phra­sen­dre­scher” Amt­hor gebracht — DAS ist grus­lig!

Natür­lich wird in spä­tes­tens zwei Wochen nie­mand mehr über die­ses Inter­view reden, doch für mich wird blei­ben: Da hat sich jemand wirk­lich tie­fe Gedan­ken um Gerech­tig­keit gemacht, und das scheint in der Poli­tik sehr sel­ten zu sein.
Ob das alles klu­ge Gedan­ken sind? Viel­leicht nicht, aber bes­ser alle­mal als der Rest, der sich gar kei­ne Gedan­ken macht, son­dern pöbelt.

Mehr Küh­nerts braucht das Land!

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Kevin Kühnert

Klaus Staeck 1972

Du mei­ne Güte.
Da hat der Juso-Chef mal etwas gesagt, von dem der Kon­text weit­ge­hend unbe­kannt ist, da hin­ter einer Pay­wall ver­steckt, ob nun am Kiosk oder online.
Und schon kom­men die Ver­tei­di­ger unse­rer Ord­nung, die ja nun ganz offen­sicht­lich die gro­ßen Pro­ble­me (Umwelt, Migra­ti­on, gerech­te Res­sour­cen­ver­tei­lung) nicht lösen kann.
Von der CSU bis zu dem Grü­nen (natür­lich auch bei den form­er­ly known as Sozi­al­de­mo­kra­ten) wird sich uni­so­no ins Hemd gemacht: “Zuerst muß mal das Eigen­tum geschützt werden!!!einself!!!”
Bull­shit! Mir scheint doch, daß die Rich­tung, in die der Mann denkt, dis­ku­tie­rens­wert ist. Wahr­schein­lich erzählt er auch Unfug — na und? Wenn das ein Maß­stab wäre, wür­de dem hal­ben Bun­des­ka­bi­nett schon längst die Minis­ter­ur­kun­de ent­zo­gen wor­den sein.

Gut so! Wei­ter­ma­chen!

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Flughafen Rostock-Laage: Angst fressen Hirn

http://www.ostsee-zeitung.de/Mecklenburg/Rostock/Landesregierung-Rostock-Laage-soll-Weltraumbahnhof-werden

Das ist ein typi­scher Pro­vinz­flug­ha­fen, der nur durch mas­si­ve Sub­ven­tio­nen am Röcheln gehal­ten wird. Sowas haben alle Bun­des­län­der. Und nun soll es ein völ­lig irr­sin­ni­ges Pro­jekt aus dem Wol­ken­ku­ckucks­heim rich­ten: Ein Welt­raum-Ter­mi­nal!

Völ­lig gaga, das.

Und dann auch noch die­ser Schmarrn mit den Paket­droh­nen. Hier gehts nur dar­um, Steu­er­gel­der abzu­fas­sen, sinn­voll muß das nicht im Gerings­ten sein.

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Das ZPS und die Staatsanwaltschaft

http://www.spiegel.de/politik/deutschland/zentrum-fuer-politische-schoenheit-ermittlungen-gegen-zps-a-1260910.html

Weiß nicht so recht.

Daß man nicht davon erfährt, wenn gegen einen selbst ermit­telt wird, ist völ­lig nor­mal. Und daß, wenn das ZPS sel­ber von sich behaup­tet, Höcke mona­te­lang unter ande­rem mit Kame­ras über­wacht zu haben, von Amts wegen oder auf Anzei­ge hin gegen das ZPS ermit­telt wird — nun, das erwar­te ich auch genau so. Höcke darf genau­so wie Sokoll anzei­gen, wir dür­fen alle anzei­gen: Nazis, Ski­fah­rer (gelobt sind sie!), Künst­ler…
Apro­pos: Natür­lich sind das kei­ne Künst­ler beim ZPS. Es sind Trol­le, und dar­an ist gar nichts nega­ti­ves. Ras­sis­ten mit Sei­ten­schei­tel und Goeb­bels-Schnau­ze wie Höcke zu trol­len ist gesell­schaft­li­che Hygie­ne und hat jede Aner­ken­nung ver­dient, zwei­fel­los! Nur zur Kunst wird die Trol­lerei dadurch sicher­lich nicht. Macht aber nix.

Wo ich mir aber sicher bin: Daß das nun schon 16 Mona­te dau­ert, das ist auch bei unse­rer lang­sa­men Jus­tiz völ­lig indis­ku­ta­bel, das fin­de ich nun wirk­lich skan­da­lös.

Aber nicht die Ermitt­lun­gen an sich — oder ver­langt jemand etwa, daß Ermitt­lun­gen nach poli­ti­schem Gut­dün­ken geführt wer­den?

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Rainer geht in die Politik

Gera­de habe ich eine Mail an mei­ne 3 EU-Abge­ord­ne­ten abge­schickt:

Guten Abend,

vor­weg: Ich bin kein Bot und wer­de auch von nie­man­dem bezahlt für mei­ne Bit­te an Sie.
Aller­dings bin ich pri­vat und beruf­lich seit Jahr­zehn­ten im Inter­net zuhau­se; ich ken­ne noch die Zei­ten, als Inter­net­brow­ser etwas ganz neu­es waren.
Kurz­um: Ich spre­che mir beim The­ma Inter­net eini­ge Kom­pe­tenz zu.

Las­sen Sie mich bit­te eini­ge Aspek­te anspre­chen, die m. E. in der Dis­kus­si­on zu kurz kom­men:

1: Die Dis­kus­si­on dreht sich vor allem um Vide­os und Musik­stü­cke, also eigent­lich um Youtube/Google. You­tube soll Lizenz­ver­trä­ge abschlie­ßen mit den Ver­wer­tungs­ge­sell­schaf­ten (nicht den Urhe­bern!)
Das Ver­öf­fent­li­chen von nicht­li­zen­sier­tem Mate­ri­al soll der Anbie­ter ver­hin­dern, und bei der puren Mas­se, die täg­lich auf You­tube hoch­ge­la­den wird, geht das selbst­ver­ständ­lich nur über auto­ma­ti­sier­te Fil­ter. You­tube hat sol­che schon (Con­tent-ID)
Doch eigent­lich geht es ja um urhe­ber­recht­lich geschütz­te Wer­ke gene­rell, also auch alles Text­ma­te­ri­al.
Doch kön­nen You­tube, Face­book, Twit­ter… denn erken­nen, ob ein Text der hoch­ge­la­den wird urhe­ber­recht­lich geschützt ist?
Nein, natür­lich nicht!
Das­sel­be gilt für Noten und Repro­duk­tio­nen bil­den­der Kunst.
Der Ent­wurf schreibt in Arti­kel 13: “Die­se Maß­nah­men wie bei­spiels­wei­se wirk­sa­me Inhalts­er­ken­nungs­tech­ni­ken müs­sen geeig­net und ange­mes­sen sein.”
Es gibt aber die­se “wirk­sa­men Inhalts­er­ken­nungs­tech­ni­ken” nicht, gera­de auch nicht im Hin­blick auf Tex­te, Noten usw.

2: Arti­kel 12 schwächt die Urhe­ber gegen­über den Ver­wer­tern. Die­ser Arti­kel ist nicht im Inter­es­se der Urha­ber.

3: Begehr­lich­kei­ten: Obwohl Fil­ter nicht expres­sis ver­bis erwähnt wer­den, ist doch völ­lig unstrit­tig, daß “wirk­sa­me Inhalts­er­ken­nungs­tech­ni­ken” eben nur Fil­ter sein kön­nen. Fil­ter haben aber kei­ne Moral. Eine Fil­ter­tech­no­lo­gie, die sich gegen die Ver­brei­tung von Raub­ko­pi­en nut­zen läßt, läßt sich selbst­ver­ständ­lich auch gegen die Ver­brei­tung von Kin­der­por­no­gra­phie, aber auch von uner­wünsch­ten Ansich­ten ein­set­zen. Und das wird ver­sucht wer­den, vor allem von Staa­ten mit Demo­kra­tie­de­fi­zi­ten.
Schon die Gefahr muß ver­hin­dert wer­den.

4: Das Gesetz soll ja nur für die gro­ßen Anbie­ter gel­ten, nicht etwa für Star­tups. Doch was wird pas­sie­ren, wenn ein Start­up so groß gewor­den ist, daß es nun fil­tern muß? Es wird aber nicht die Res­sour­cen haben, eige­ne Fil­ter­tech­no­lo­gi­en zu ent­wi­ckeln. Schon aus einem ein­fa­chen Grun­de: Man braucht etwa um zu ent­schei­den, ob ein hoch­ge­la­de­ner Song urhe­ber­recht­lich geschützt ist, eben die­sen Song als Ver­gleichs­ma­te­ri­al. Das sind rie­si­ge Daten­men­gen, die ihrer­seits auch erst­mal gekauft wer­den müs­sen. Also wird dem Start­up nichts wei­ter blei­ben, als die Dienst­leis­tung “Fil­ter” zum Bei­spiel bei Goog­le ein­zu­kau­fen, womit Goog­le in die kom­for­ta­ble Situa­ti­on gebracht wür­de, auf poten­ti­el­le Mit­be­wer­ber Ein­fluß aus­üben zu kön­nen.
Mit ande­ren Wor­ten: Die­ses Gesetz wür­de die Markt­macht der Gro­ßen zemen­tie­ren.

Es ist sicher­lich eine löb­li­che Idee, die Rech­te von Urhe­bern zu stär­ken. Doch lei­der stärkt der Ent­wurf vor allem die Rech­te von Ver­wer­tern und den gro­ßen Inhal­te­an­bie­tern im Inter­net, hin­zu kommt die Gefahr für die Demo­kra­tie durch den Auf­bau einer Fil­ter­struk­tur, die sich gegen alles mög­li­che ein­set­zen las­sen wür­de.

Des­halb bit­te ich Sie drin­gend, am Diens­tag gegen den Ent­wurf zu stim­men.

Mit freund­li­chen Grü­ßen,

Rai­ner Sokoll

Zumin­dest ist noch kein Unde­li­ver­a­ble zurück­ge­kom­men…

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Bedauerlicher Zufall?

Da möch­te ich mei­nen EU-Abge­ord­ne­ten bei der Ent­schei­dungs­fin­dung behilf­lich sein. Dazu muß ich aller­dings wis­sen, wer mei­ne sind und wie ich sie errei­chen kann.

Goog­le (sic!) schlägt http://www.europarl.europa.eu/germany/de/die-eu-und-ihre-stimme/die-deutschen-europa-abgeordneten-nach-bundesl%C3%A4ndern vor.

Sicher­lich die gan­zen Goog­le-Bots, die den Ser­ver in die Knie gezwun­gen haben?

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Windows-Telemetrie, der gesunde Menschenverstand

Ich lese inter­es­siert einen Arti­kel zur Tele­me­trie in Win­dows 10 und kom­me aus dem Stau­nen nicht her­aus. Die Bun­des­be­hör­de BSI erforscht das Nach-Hau­se-Pet­zen von Win­dows 10. War­um? Wegen

der poli­tisch-stra­te­gi­schen Ent­schei­dung für Win­dows 10 als Betriebs­sys­tem für die Bun­des­ver­wal­tung

Mit ande­ren Wor­ten: Win­dows 10 ist alter­na­tiv­los, und hin­ter­her schau­en wir mal, wie wir uns unse­re Ent­schei­dung schön­for­schen kön­nen. Seit 2 Jah­ren wird da geforscht (ich habe eine ande­re Defi­ni­ti­on von „For­schung“, aber das nur neben­bei), und die For­scher

kön­nen mitt­ler­wei­le recht genau nach­voll­zie­hen, was dort pas­siert.

Wow! Doch schon! Nein, ich unter­stel­le den For­schern kei­ne Inkom­pe­tenz, ganz im Gegen­teil. Ich unter­stel­le aber Micro­soft, daß sie sehr gut dar­in sind zu ver­schlei­ern, was Win­dows 10 alles so tut  — und dafür sicher Grün­de haben.

In einer Stan­dard­in­stal­la­ti­on waren über 1.000 sol­cher Mess­punk­te aktiv — an denen wie­der­um ver­schie­de­ne Daten ermit­telt und an Micro­soft gesen­det wer­den.

In Wor­ten: über EINTAUSEND Sen­so­ren, die an Micro­soft repor­ten! Inklu­si­ve einer API für Key­log­ger.
Aber es kommt noch schlim­mer: Micro­soft kann zum Bei­spiel einen

Memo­ry-Dump einer Soft­ware

anfor­dern. Das heißt: Sie kön­nen jedes Doku­ment, was der Nut­zer gera­de offen hat, abzie­hen. Der feuch­te Traum aller Straf­ver­fol­gungs­be­hör­den, Geheim­diens­te und sons­ti­ger Kri­mi­nel­len.
Das inter­es­siert die For­scher, und so wol­len sie

eine Tele­me­trie, um die Tele­me­trie zu über­wa­chen

bau­en. Immer­hin haben sie Juve­nal gele­sen 😉 Quis cus­to­diet ipsos cus­to­des?
Dann kom­men ein paar Gedan­ken, wie man das Pet­zen wirk­sam unter­bin­den kön­ne, mit einer genia­li­schen Idee: Das Win­dows kom­plett vom Inter­net abklem­men. Gute Idee, nur gibts dann eben kei­nen Inter­net­zu­griff mehr, was heut­zu­ta­ge nun wirk­lich ein Nogo ist. Aus­weg?

Mit dem Bun­des­cli­ent, eine stan­dar­di­sier­te Platt­form, über die in Zukunft Ver­wal­tung und Behör­den ihre Com­pu­ter­ar­bei­ten ver­rich­ten sol­len, soll genau dies umge­setzt wer­den. Gesurft wird dann über einen vir­tua­li­sier­ten Brow­ser oder ein Ter­mi­nal.

Der Bun­des­cli­ent ist offen­sicht­lich ein umge­la­bel­ter RDP-Cli­ent, dann petzt eben der Win­dows Ser­ver 2016, auf den der Bun­des­cli­ent zugreift.🤦‍♂️

Und damit kom­me ich zu mei­nem eigent­li­chen Auf­re­ger: 5G und Hua­wei. Der Chi­na­mann! Darf man den in Deutsch­land Netz­in­fra­struk­tur bau­en las­sen? Wo der Chi­na­mann doch unse­re Indus­trie abhört?
Mal ernst­lich: Wie soll das gehen? Wir reden über 5G, also Mobil­funk. Dar­über wird eh nur trans­port­ver­schlüs­sel­tes Zeug trans­por­tiert. Eher ist die Gefahr, daß die Ame­ri­ka­ner in die TLS-Imple­men­tie­run­gen Soll­bruch­stel­len ein­ge­baut haben — womit wir wie­der bei Win­dows 10 sind.

Wenn man For­scher­kol­lek­ti­ve braucht, die nach mehr­jäh­ri­ger Tätig­keit immer­noch nicht wis­sen, was Win­dows 10 tut — dann ver­dammt setzt man kein Win­dows 10 ein!
Die­ses wasch mich, aber mach mich nicht naß — das ist pein­lich, gera­de fürs BSI. Win­dows in wel­cher Ver­si­on auch immer ist NICHT gott­ge­ge­ben!

PS: War da nicht mal was mit DSGVO?

 

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