Netzneutralität: Phantomargumente?
Rainer | 15. August 2010So recht verstehe ich das nicht. Ich erinnere mich mehrerer Gespräche um das Jahr 2000 herum, damals mit KPNQwest und Level3, die sich beide damit brüsteten, auf Jahre hinaus für exponentiell wachsende Datenraten (umgangssprachlich Bandbreite) gewappnet zu sein. Kernaussage von beiden Firmen: Wir haben soviel Dark Fibre verlegt, da kann gar nichts passieren, und falls doch: Die Leerrohre sind so dick, daß wir problemlos zusätzliche Leitungen legen können! Vgl. auch Wikipedia. Nun ist bekanntermaßen das Datenvolumen nicht so gewachsen, wie man sich das damals erhofft hatte – sprich: es müßte eigentlich Überkapazitäten geben.
Es fällt mir mithin schwer, im kabelgebundenen Netz technische Gründe für Verkehrspriosierung zu finden – in Mobilnetzen mag das theoretisch anders sein – aber wer macht schon Filesharing mit dem Handy?
Finanzielle Gründe: Ja. Es ist sicherlich verlockend, bei den “fetten” Inhaltsanbietern die Hand aufzuhalten. Nur: Gerade die sind doch ohnehin großteils bei Akamai? Und Akamai seinerseits ist dezentral aufgebaut. Bleibt Google (Youtube!), die wohl kein Akamai-Kunde sind. Aber auch Google hat weltweit Rechenzentren. Wo also sollten Engpässe entstehen? Die Telcos haben die Kapazitäten, die “schweren” Inhaltsanbieter halten ihre Inhalte dezentral.
Ich denke, es geht den Telcos/ISPs um mehrere Dinge:
- Eine zusätzliche Einnahmequelle zu erschließen. Die Argumentation: Wer mehr Traffic generiert, soll auch mehr zahlen, scheint ja auf den ersten Blick einleuchtend.
- Fernhalten unliebsamer Konkurrenz. Wenn ein Telco wie die Telekom zum Beispiel Firmenkunden VoIP verkaufen möchte, wird er versucht sein, andere VoIP-Anbieter zu behindern. So sperrt die Telekom bekanntermaßen Skype aus ihrem UMTS-Netz aus.
- Reduktion von Peering-Kosten. Da kenne ich mich nicht wirklich aus, ich weiß nicht, wie die berechnet werden. Unterm Strich dürfte das aber ein gemeinschaftliches Geld-im-Kreis-Schieben sein.
Meine 2 Eurocent








